München. Albrecht Köhler ist ein Freund klarer Worte. "Wenn die europäischen Fahrzeugfabrikanten international konkurrenzfähig bleiben wollen, müssen sie ihren Geist schärfen und stärker bei Problemen einsetzen wie der permanenten Verbesserung in der Produktion", mahnt der Geschäftsführer des Zulieferers Knorr-Bremse aus München.
Albrecht Köhler ist aber auch ein Mann der Tat. Als Vorsitzender der Gesellschaft für Produktionsmanagement (GfPM) sucht er mit interessierten Managern anderer Unternehmen permanent nach neuen Ansätzen in der Fertigungstechnologie, die sich möglichst rasch in die betriebliche Praxis umsetzen lassen. Der gegenseitige Austausch von Wissen etwa rund um innovative Montagemethoden, so die Idee, kann allen Beteiligten bei der Steigerung ihrer Wettbewerbsfähigkeit helfen.
Dass gerade in der Autoproduktion trotz jahrelangen Feinschliffs noch immer erhebliche Optimierungen möglich sind, gilt unter Fertigungsprofis als sehr wahrscheinlich. Dies belegt eine aktuelle Umfrage des Arbeitskreises Just-in-Time (AKJ) am Saarbrücker Institut für Produktions- und Logistiksysteme, mit dem Köhler kooperiert. Demnach schätzen rund zwei Drittel der Befragten das Steigerungspotenzial bei der Produktivität der deutschen Standorte für die nächsten Jahre mit mehr als zehn Prozent ein.
"Tag für Tag stoßen wir in den Werken auf neue Verbesserungsmöglichkeiten", sagt Dirk Große-Loheide, Vorstand für Beschaffung und Produktion bei Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN). Die Adaption von Best-Practice-Lösungen aus anderen Werken, wie sie auch Köhler forciert, ist inzwischen ein fester Teil der VWN-Strategie. Trägt sie doch dazu bei, dass nun Große-Loheides Team unter anderem eine weitere Senkung der Durchlaufzeit im Stammwerk Hannover anpacken kann. Sein Unternehmen verfolge "ehrgeizige Pläne", räumte der Manager im Interview ein - "aber wir können es schaffen". Der Schlüssel zum Erfolg seien insbesondere noch schlankere Prozesse.
Auch Martin Coordes ist durchaus optimistisch - trotz der Vielzahl von Aufgaben, die mit dem Aufbau einer Autofabrik der Zukunft nun mal verbunden sind. Als Leiter der Organisationsentwicklung bei Audi hat Coordes von Berufs wegen gesteigertes Interesse an "mehr Effizienz und Nachhaltigkeit bei der Optimierung wertorientierter Prozesse". Und mit Bedacht wählte er just diesen Titel für seinen vielbeachteten Vortrag beim AKJ-Jahreskongress vor wenigen Wochen. Denn was nützt die schönste Prozessoptimierung aus der grauen Theorie, wenn sie in der Praxis nicht nachhaltig umgesetzt wird?
"Auch bei Audi ist eine ständig steigende Nachfrage nach ergebnisorientierter Organisationsentwicklung zu verzeichnen", sagte Coordes. "Daher müssen wir die Betroffenen des Strukturwandels zu Beteiligten machen." Auch in technisch noch so hochgerüsteten Fabriken, so Coordes Fazit, komme dem "Management von Instabilität" wachsende Bedeutung zu.