Ist es Naivität, das Pfeifen im Wald oder Ignoranz? Eine andere Möglichkeit scheidet aus. Anders ist die Gelassenheit nicht zu erklären, mit der die großen Autohersteller und Zulieferer hierzulande auf die drohende Rezession in den USA und die folgenden Erschütterungen an den Börsen reagieren. Jedem Beteiligten sollte klar sein: Die hochfliegenden Absatzziele zumindest für die USA sind in den nächsten zwei bis drei Jahren nicht zu erreichen. Denn dort ist nicht nur der Markt für minderwertige Immobilienkredite zusammengebrochen. Es zeigt sich das Ende eines Konsumwahns nach dem Motto „Kaufe jetzt, zahle später“ – oder nie.
Und von diesem Wahnsinn, der aus den US-Verbrauchern die am höchsten verschuldeten Menschen der Welt gemacht hat, haben ja auch die Autohersteller profitiert. Porsche, BMW, Mercedes und Volkswagen hofften noch Mitte Januar während der Detroit Auto Show, die USA könnten künftig noch mehr der Autos aufnehmen, die in Deutschland wegen der politischen Verunsicherung kaum mehr zu verkaufen sind. Doch das wird auf absehbare Zeit so nicht funktionieren. Auch wenn die amerikanische Oberschicht, die sich die Luxusautos aus Deutschland leisten kann, unabhängiger von Konjunkturzyklen ist, wird die Krise auch an diesen Gesellschaftskreisen nicht vorübergehen.
Schwerer treffen dürfte es jene Mittelschicht, die in den vergangenen Jahren für den Hauptanteil der Fahrzeugnachfrage gesorgt hat, vor allem bei General Motors und Ford, die mitten im Turnaround stehen – keine guten Vorzeichen für eine schnelle Sanierung der angeschlagenen Konzerne. Aber auch Volkswagen wird es treffen, wenn das Konsumentenvertrauen in den USA sinkt. Dass es dort zu einer Rezession kommt, daran kann es wohl kaum noch Zweifel geben. Anders als während der letzten Rezession 2001, als die US-Kunden munter weiterkonsumierten, ist wegen der Kreditkrise nun mit mehr Kaufzurückhaltung zu rechnen.
Zu klären bleibt nur die Frage, wie sehr dies die anderen Absatzmärkte der deutschen Hersteller beeinflusst, vor allem die Wachstumsmärkte in Asien und Osteuropa. Denn auch dort wird zumindest im Massengeschäft die Konkurrenz größer, wenn die USA für Monate oder Jahre als Absatzkanal ausfallen. Dann könnte es sich auszahlen, dass sich die deutschen Autobauer auf das Segment der Premium- und Luxusfahrzeuge spezialisiert haben – eine Strategie, für die sie in der CO2-Hysterie zuletzt nur noch kritisiert wurden.