Straubing. Die Automobilindustrie akzeptiert den in der vergangenen Woche erzielten Klimakompromiss zwischen Deutschland und Frankreich als vertretbare Lösung, die ihr Zeit für Neuentwicklungen gibt. Mit Skepsis blickt die Branche aber auf die konkrete Ausgestaltung der Zielvorgaben. Völlig offen ist zum Beispiel, was genau die Hersteller in der Übergangsphase zwischen 2012 und 2015 zur CO2-Reduktion tun müssen.
Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatten in Straubing zwar das Ziel bekräftigt, den CO2-Ausstoß der Neuwagenflotten ab 2012 auf 120 Gramm pro Kilometer zu beschränken. Verbindlich sollen die Grenzwerte aber erst ab 2015 gelten, drei Jahre später als bislang von der EU-Kommission vorgesehen. Bußgelder bei Überschreitungen der Grenzwerte sollen nun nicht pauschal fällig werden, sondern nach Fahrzeugklassen gestaffelt.
„Die jetzt erzielte Einigung zwischen Frankreich und Deutschland ist eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorschlag der EU-Kommission, auch wenn sie noch keine Ideallösung darstellt", urteilt VDA-Präsident Matthias Wissmann. Für die deutschen Hersteller sei es enorm wichtig, dass jetzt auch alle sogenannten Eco-Innovations wie energiesparende Leuchten oder Solardächer mit 6 bis 8 g/km CO2 angerechnet werden können. Positiv sei auch, dass es eine schrittweise Einbeziehung der Neuwagenflotte in die Regulierung gebe.
Auch Wolfgang Schneider, Vorstand für Umwelt und Recht bei Ford of Europe, sieht den Kompromiss als deutliche Verbesserung an. So sei die Öffnung für alle Eco-Innovations und die Einführung einer Übergangsphase ein wichtiger Schritt. „Wir sind aber auch der Meinung, dass die heute noch nicht bekannten Eco-Innovations berücksichtigt werden müssen", fordert Schneider.
„Erfreulich ist, dass es jetzt ein Einführungsßenario gibt", sagt Daimler-Forschungschef Herbert Kohler. Dies sei zwar immer noch anspruchsvoll, biete aber mehr Planungssicherheit. „Wir werden alles tun, um Strafzahlungen zu vermeiden." Seinen Kleinwagenanteil werde Daimler deshalb aber nicht erhöhen: „Jede Baureihe muss innerhalb des jeweiligen Segments unter CO2-Aspekten wettbewerbsfähig sein."
BMW spricht von einer Zwischenlösung. „Der Kompromissvorschlag verteilt die Lasten neu und bedeutet sehr ambitionierte Ziele für die Premiumhersteller", sagt ein Sprecher. Nun müsse ein Ansatz entwickelt werden, um wirklich alle Eco-Maßnahmen fair in die Anrechung einzubeziehen. Auch der Hersteller Audi beurteilt die Verständigung grundsätzlich positiv. Jetzt komme es auf die konkrete Umsetzung an, und darauf, dass alle EU-Staaten mitzögen.