München. In die Rankings der beliebtesten Arbeitgeber schaffen es Mittelständler kaum, obwohl sie Mitarbeitern häufig Möglichkeiten bieten, die diese in Großkonzernen vermissen. Von der Initiative Top Job wurden nun 100 Mittelständler als Arbeitgeber des Jahres ausgezeichnet, deren Personalmanagement besonders durchdacht ist. Das Gütesiegel "Top Job" soll den Betrieben helfen, trotz der starken Konkurrenz bekannter Firmen wie Audi oder Mercedes-Benz im Wettbewerb um Fachkräfte zu bestehen. Unter den 100 Mittelständlern wurden auch fünf Firmen der Autobranche ausgezeichnet.
Vor allem dank ihres Ideenmanagements haben es die Heinz Kühne GmbH, ein Service- und Vermittlungsbetrieb von Daimler, und der Zulieferer Voss Automotive unter die Top-Job-Gewinner geschafft. Die Rüsselsheimer Ingenieurgesellschaft Tecosim überzeugte die Jury mit der starken Fokussierung auf eigene Mitarbeiter bei der Besetzung von Führungspositionen. 95 Prozent aller Spitzenpositionen wurden bislang intern besetzt. Im vergangenen Jahr hat Tecosim mit computergestütztem Engineering rund 18 Millionen Euro umgesetzt. General Motors, Ford, Toyota, Opel - auf der Kundenliste finden sich fast alle großen Namen der Autobranche. Derzeit arbeiten rund 220 Mitarbeiter in Rüsselsheim, vier deutschen Niederlassungen und je einem Betrieb in Großbritannien und Japan. Im laufenden Jahr sollen 100 Angestellte an den deutschen Standorten hinzukommen. Gesucht werden vor allem Ingenieure aus Maschinenbau und Fahrzeugtechnik sowie Mathematiker und Physiker.
"Die Auszeichnung als Arbeitgeber des Jahres ist bei der Personalsuche sicherlich hilfreich", sagt Personalleiterin Sandra Bonow. Sie nahm die Urkunde von Wolfgang Clement entgegen, Ex-Bundeswirtschaftsminister und heute Mentor von Top Job. Ausgezeichnet wurde das Unternehmen auch für die intensive Weiterbildung der Mitarbeiter. Jeder Arbeitnehmer hat ein jährliches Budget von 40 Stunden zur Fortbildung. "Und wenn er dieses Budget nicht nutzt, fragen wir nach, woran dies liegt", sagt Bonow.
Das Konzept zur Weiterbildung der Mitarbeiter hat auch dem Autohaus Karl Heinz Fuchs die Auszeichnung "Arbeitgeber des Jahres" eingebracht - als bester Betrieb der Kategorie Handel. Das Unternehmen aus dem saarländischen Marpingen schickt seine Angestellten sogar fünf Tage pro Quartal zur Fortbildung. Zudem setzt der VW-Betrieb verstärkt auf Mitarbeiter, die älter als 50 Jahre sind. "Aufgrund ihrer Erfahrung stehen ältere Mitarbeiter für hohe Leistungsqualität, ein umfassendes Allgemeinwissen und damit für Effektivität", sagt Inhaber und Geschäftsführer Peter Johannes.
Der ebenfalls prämierte Autoteilehändler Wulf Gaertner setzt ebenso auf das Wissen älterer Mitarbeiter: "Wer mehr als 20 Jahre Erfahrung als Kfz-Mechaniker hat, weiß genau, wo ein Teil Schwachstellen hat und wie es richtig eingebaut werden muss. Das ist für uns ein wertvoller Erfahrungsschatz", sagt Personalleiterin Marita Schwartze.