Genf. Der VW-Konzern mit seinen nunmehr neun Konzernmarken - einschließlich Scania - ist für Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch wie ein großes Restaurant: "Da gehen Sie doch auch lieber zu einem, der neun Gerichte im Angebot hat und nicht nur drei oder vier", sagt der Porsche- und VW-Patriarch im Hinblick auf Toyota.
VW wächst nicht nur beim Absatz mit beängstigendem Tempo. Auch die Zahl der Marken steigt weiter - jüngst mit der Übernahme von Scania. Bald könnte noch MAN dazukommen, wo VW schon jetzt größter Teilhaber ist und Piëch Aufsichtsratschef. Doch das Ziel lässt keine andere Wahl: Es gilt, Japans Nummer eins zu schlagen.
Toyota verkauft neun Millionen Fahrzeuge mit nur drei Pkw- und einer Lkw-Marke, VW hingegen nur 6,2 Millionen. Das wurmt nicht nur Piëch: Gemeinsam mit Großaktionär Porsche will Konzernchef Martin Winterkorn Toyota "auf Augenhöhe" gegenübertreten und spätestens 2018 überholen.
Dass die Japaner den Abstand zu VW in den vergangenen fünf Jahren von einer auf drei Millionen Fahrzeuge erhöht haben, liege vor allem "am Erfolg, den Toyota bei SUVs, MPVs und Pick-ups hatte", sagt Winterkorn im Interview mit Automotive News Europe - also ausgerechnet jenen Fahrzeugkategorien, die derzeit umweltpolitisch am Pranger stehen. "Eine unserer Ideen ist, mehr solche Fahrzeuge zu bauen", so Winterkorn. Im Pkw-Geschäft sehe man sich jetzt schon auf Augenhöhe mit dem Rivalen.
Autos wie ein Kompakt-SUV von Audi (Q3), ein für die USA entwickeltes Mittelklasse-SUV und einen VW-Pick-up nennt der VW-Chef als Beispiele für die Expansionsstrategie des Konzerns.
Auch Piëch schwärmt von größerem Volumen und den Synergien, die dadurch möglich sind: "Wir kaufen 12,5 Millionen Stellmotoren für Außenspiegel im Jahr. Da ist die elektrische Spiegelverstellung billiger als die mit Bowdenzug." Von solcher Einkaufsmacht kann künftig auch Großaktionär Porsche profitieren - genauso wie Scania.
Und bald möglicherweise auch MAN. Vor Herbst 2008 werde es sicher keine Entscheidung geben, was mit der MAN-Beteiligung weiter geschieht, heißt es in Wolfsburg. Man sei zu sehr mit der Integration von Scania beschäftigt. Sicher ist jedoch, dass die zehnte Marke auf der Speisekarte des VW-Restaurants nicht Porsche wird. "Porsche bleibt Porsche und Volkswagen bleibt Volkswagen", sagt Winterkorn. Eine Verschmelzung ŕ la DaimlerChrysler soll es nicht geben. Auch wenn in beiden Unternehmen bald die gleichen Stellmotoren im Außenspiegel surren.