Düsseldorf. Mit Marketingrummel und flotten Werbesprüchen sorgen die Strategen von Autobanken sowie nicht herstellergebundenen Instituten seit langer Zeit für gute Geschäfte bei Fahrzeugleasing und -finanzierung. Doch der sich verdüsternde Konjunkturhimmel könnte gerade aus dem viel beschworenen Erfolgskandidaten Leasing ein Sorgenkind machen. „Jedes Leasinggeschäft, das heute abgeschlossen wird“, orakelt ein Mercedes-Händler, „birgt eine Katastrophe in sich“. Experten wie etwa Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center of Automotive Research an der Fachhochschule Gelsenkirchen, schließen nicht aus, dass „in Europa und damit auch in Deutschland, eine ähnliche Entwicklung wie in den USA zu erwarten“ ist.
Schlechte Prognosen für das Autoleasing
So ist das Geschäft mit dem Autoleasing in den USA jüngst zusammengebrochen, nachdem Immobilienkrise, steigende Inflation, rückläufige Konsumausgaben und die seit Januar 2007 um rund 70 Prozent gestiegenen Spritpreise ihren Tribut forderten. Konkret heißt das: Besonders für große und spritfressende Fahrzeuge ist die Nachfrage zusammengebrochen. Eine Katastrophe für den gerade in diesem Segment stark vom Leasinggeschäft lebenden US-Automarkt. Die Konsequenzen für GM & Co sind fatal.
Allein Ford soll zwischen April und Juni 2008 rund 2,1 Milliarden Dollar auf unprofitable Leasinggeschäfte abgeschrieben haben. Von der Krise mit betroffen sind auch deutsche Hersteller, vor allem die Anbieter leistungsstarker Modelle. Allein BMW hat wegen der Leasingsituation in den USA seine Rückstellungen um 236 Millionen Euro erhöht. Nach Analysen Dudenhöffers beträgt der Abschreibungsbedarf deutscher Autohersteller mindestens 1,5 Milliarden Dollar.
Ob das Leasinggeschäft nun auch in Deutschland zu einem Debakel wird, hängt stark von der weiteren hiesigen Wirtschaftsentwicklung ab. Kaufzurückhaltung, Höhenflüge bei Rohstoffpreisen sowie die Rückkehr der längst als besiegt geglaubten Inflation geben wenig Anlass zur Zuversicht. Hinzu kommt, dass andere europäische Länder wegen des auch dort abflauenden Konsumklimas als Absatzventil für den deutschen Gebrauchtwagenmarkt nur noch bedingt infrage kommen.
Fakt ist, die deutsche Wirtschaft schrumpft, und so hat auch das Münchner ifo Institut jetzt seine Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts für 2008 von 2,4 auf 2,0 Prozent korrigiert. Trotzdem glaubt die Mercedes- Bank nicht, dass sich das Autoleasing in Deutschland wie in den USA entwickeln wird und sieht deshalb auch keinen Bedarf für Sonderrückstellungen. Dass dem Leasingmarkt aber auch hierzulande Ungemach droht, zeigt sich zunehmend beim Gebrauchtwagenabsatz des Automobilhandels. „Je größer der Wagen, desto größer das Problem“, bringt es Bernd Hornbacher, Renault- und Nissan-Händler im hessischen Kelkheim auf eine einfache Formel.
Das Problem ist, dass sich Leasingrückläufer wie verbrauchsstarke SUVs und Autos der Ober- und oberen Mittelklasse kaum zu den einst kalkulierten Restwerten in den Markt drücken lassen. Preisnachlässe von zehn bis 30 Prozent sind realistisch, denn immer mehr Autofahrer steigen auf preiswerte Fahrzeuge um. Dies zeigt auch das Zulassungsplus von 26,8 Prozent bei Kleinwagen im ersten Halbjahr 2008.
Doch die neue Bescheidenheit ist nur die halbe Wahrheit für die wachsende Skepsis auf dem Autoleasingmarkt. So nutzen Hersteller und ihre Banken Leasing als aggressives Instrument, um Absatz und Marktanteil auszubauen. Um die Zulassungsstatistiken zu pushen, werden Fahrzeuge mit kleinen Raten angeboten, die zwar Käufer überzeugen, aber nicht selten auf unrealistischen Restwertkalkulationen beruhen. Diese Taktik wird zur Falle, wenn die Konjunktur schwächelt. Ungeachtet dieser Gefahr hat ein Großteil der Händler das riskante Spiel willig mitgemacht. Denn angesichts ihrer oft prekären Einkommenssituation blieb vielen oft keine andere Wahl.
Gerade aber Händler müssen für die Risiken falsch kalkulierter Restwerte bei Kilometerleasingverträgen einstehen. Da kommen leicht pro Fahrzeug einige tausend Euro zusammen. „Es ist deshalb manchmal besser“, sagt ein aus Erfahrung klug gewordener BMW-Händler, „ein Leasinggeschäft gar nicht erst zu machen“. Aber es trifft nicht nur den Handel. Dieter Jacobs, in der Geschäftsleitung der Neusser Leasinggesellschaft LeasePlan Deutschland für Fuhrparkmanagement verantwortlich, weiß um die Folgen der oft verfehlten Restwertpolitik.
Seit Oktober 2007 macht die Gesellschaft beim Verkauf ihrer Autos einen durchschnittlichen Verlust von 700 Euro pro Fahrzeug. Der Preisverfall, so der Manager, treffe alle Modelle. Jacobs: „Die Hersteller und ihre Banken könnten in Deutschland bald vor den gleichen Problemen stehen wie in den USA.“