München. Auch nach dem Beitritt des vermeintlichen Öko-Musterknaben Toyota wird es der Verband europäischer Automobilhersteller (ACEA) nicht schaffen, seine Selbstverpflichtung einer CO2-Flottenemission von 140 Gramm pro Kilometer zum Ende dieses Jahres zu erfüllen. "Dieser Grenzwert wird wohl nicht erreicht werden", bestätigt ein ACEA-Sprecher mit dem Hinweis darauf, dass die Ende 2006 in der EU angebotenen Neufahrzeuge durchschnittlich rund 160 Gramm CO2 pro gefahrenem Kilometer emittierten. "Eine Reduzierung um 20 Gramm in nur zwei Jahren ist sehr unwahrscheinlich", so der Sprecher. Zudem stellt auch die Selbstverpflichtung der japanischen und koreanischen Herstellerverbände JAMA und KAMA, die 140-Gramm-Grenze erst 2009 zu unterbieten, "eine Herausforderung" dar, wie es in Brüssel heißt.
In diesem Zusammenhang sieht auch der vermeintliche Umwelt-Primus Toyota noch Handlungsbedarf. "Wir planen noch einige Maßnahmen, die unsere Flottenemissionen weiter reduzieren", heißt es bei Toyota Motor Europe. Dabei setzt der japanische Konzern keineswegs auf die massenhafte Verbreitung seiner aufwendigen Hybrid-Technologie. Im Gegenteil: Im Zuge kommender Modellpflege-Maßnahmen wird auf bewährte technische Lösungen wie längere Getriebeübersetzungen zurückgegriffen. Darüber hinaus soll etwa der Yaris eine Start-Stopp-Automatik erhalten. "Insgesamt haben wir noch nicht die letzten Hebel gezogen", so ein Insider. Bis letztlich auch der Kunde von den geplanten Änderungen profitiert, wird noch gut ein Jahr vergehen, denn die technischen Neuerungen werden erst im Lauf des Jahres 2009 in die Serie einfließen. Bereits Anfang 2009 soll dagegen die Serienversion des iQ Concept zu kaufen sein. Der Kleinwagen soll ebenfalls zur Reduzierung der CO2-Emissionen beitragen - zunächst mit dem aus dem Aygo bekannten Dreizylindermotor. Später wollen die Japaner aufgeladene, kleinvolumige Triebwerke einsetzen, wie sie in ähnlicher Form auf dem Heimatmarkt bei den sogenannten K-Cars verwendet werden.
In der Toyota-Modellpalette wird es auch im Jahr 2009 voraussichtlich nur ein Hybrid-Modell geben. Es soll sich dabei um die dritte Generation des Prius handeln, dessen Premiere Toyota-Präsident Katsuaki Watanabe indirekt für die Detroit Auto Show angekündigt hat. Dort will der Konzern auch ein neues Hybrid-Modell von Lexus präsentieren.
Der aktuelle Prius erfreut sich unterdessen in Frankreich und in den Niederlanden besonders großer Beliebtheit. "Neue Steuerverordnungen für Fahrzeuge mit hohem Verbrauch haben zu einem regelrechten Ansturm bei unseren Händlern geführt", erklärt ein Sprecher von Toyota Motor Europe. Man habe zwar mit einer erhöhten Prius-Nachfrage gerechnet, dennoch könne es zu Lieferengpässen kommen. Es gebe in diesem Zusammenhang jedoch keine Pläne, Fahrzeugkontingente aus anderen Märkten abzuziehen.