Detroit. Eine amerikanische Ikone wackelt: der Achtzylinder. General Motors hat zum neuen Jahr verkündet, die Entwicklung der neuen Generation von V8-Motoren für Luxusmodelle einzustellen. „Wir haben festgestellt, dass unsere neuen V6-Motoren vor allem bei unseren Cadillac-Kunden inzwischen beliebter sind als Achtzylinder“, heißt es bei GM.
Bisher war den Amerikanern nicht selten Hubraum wichtiger als Wohnraum. Doch nun findet ein Umdenken statt. Laut Marktbeobachter Peter Schmidt von AID „werden weiter Pick-ups und SUVs gekauft, aber mit kleineren Motoren“. Auch Analyst Gunnar Gaedke vom Marktforscher Polk Marketing Systems bestätigt, dass „der US-Autokunde zwar träge auf Veränderungen reagiert, aber zumindest schon auf kleinere Motoren umsteigt“.
So wechseln beispielsweise bei Ford derzeit viele Kunden vom SUV Explorer auf den Edge, der zwar nicht kleiner ist, aber effizienter mit Treibstoff umgeht. Ford-CEO Alan Mulally stimmt diese Entwicklung optimistisch. „Ich bin sehr zufrieden mit unserer Arbeit, die Marke Ford in Schwung zu bringen“, sagt Mulally – und will verstärkt kleinere Modelle für Amerika entwickeln lassen. In Deutschland arbeitet der Konzern derzeit an einer kompakten Limousine im B-Segment. „Der Erfolg des Honda Jazz und des Toyota Yaris zeigen, dass auch Kleinwagen immer mehr ins Bewusstsein der US-Käufer rücken“, sagt Gaedke. Honda verdoppelte die Verkäufe seines Einstiegsmodells, Toyota kann einen Zuwachs von rund 20 Prozent vorweisen.
„Auch 2008 wird Toyota weiter Marktanteile gewinnen“, so Gaedke, „aber mit weniger Dynamik.“ Jährliche Wachstumsraten von zehn Prozent, wie sie noch vor drei Jahren möglich waren, gehören der Vergangenheit an. Bob Carter, Toyota-Amerika-Chef, ist überzeugt, dass der Zuwachs „auf dem umfassenden Angebot an spritsparenden Modellen basiert“. Doch das grüne Image der Japaner bröckelt – genauso wie die Vormachtstellung des Toyota Camry bei den Pkw-Verkäufen. GM jubiliert derzeit über den gelungenen Verkaufsstart des neuen Chevrolet Malibu. „Wir haben nirgendwo auch nur ansatzweise die Verfügbarkeit, die wir benötigen“, bestätigt Mark La Neve, Vertriebs- und Marketingchef von GM North America.
Konkurrent Chrysler ist in diesem Segment – und nicht nur dort – derzeit bedeutend schlechter aufgestellt. Der nahezu zeitgleich mit dem Malibu eingeführte Sebring verkauft sich nur mäßig – sogar so mäßig, dass bereits an das Aus für den Sebring und das Schwestermodell Dodge Avenger gedacht wird. Zudem hat Chrysler-Vize Jim Press erkannt, dass der Konzern Modelle im Programm hat, „die dasselbe Segment und möglicherweise auch dieselben Kunden bedienen“. Als erste Konsequenz gab das Unternehmen die Produktionseinstellung der Modelle Chrysler PT Cruiser, Pacifica und Dodge Magnum zum Modelljahr 2009 bekannt.