München. Kann das gut gehen? Innerhalb einer Woche kauft Volkswagen zunächst – wie lange angekündigt – 49,9 Prozent von Porsche, um wenige Stunden später bei Suzuki einzusteigen. Wer etwas Erfahrung hat mit dieser Industrie, dem fallen sofort all die gescheiterten Fusionen und Übernahmen der vergangenen Jahre ein, all die hochfliegenden Pläne von Weltkonzernen und integrierten Markengruppen, von Allianzen und Joint Ventures, die kläglich gescheitert sind. Weil das mittlere Management die Zusammenarbeit verweigert hat. Weil kaum Synergien realisiert wurden. Weil die Sprachbarriere bei der Kooperation zwischen deutschen, englischen, amerikanischen und asiatischen Firmen noch die niedrigste Hürde ist. Und VW glaubt also, es besser zu können als BMW, als Daimler, als General Motors?
In der Vergangenheit haben die Wolfsburger mehr als einmal bewiesen, dass sie bei der Integration fremder Marken besser sind als andere. Bis auf Seat, den chronisch defizitären spanischen Fehlkauf, ist die Bilanz durchaus positiv. Und Seat hat eine Sonderstellung: Die gesichtslose Marke ohne bedeutenden Heimatmarkt und ohne greifbares Image wird wohl ein ewiger Pflegefall bleiben. Suzuki hingegen ist die ideale Ergänzung zum Marken- und Produktportfolio des VW-Konzerns. Die erfolgreichen Japaner sind dort besonders stark, wo VW immer schwach war: im Kleinstwagensegment. Lupo und Fox haben stets Verluste eingefahren, während Suzuki gleich ein ganzes Rudel erfolgreicher, profitabler Superminis im Wettbewerb hat. Die Kosten des nächsten VW-Kleinstwagenprojekts Up haben die Entwickler noch immer nicht im Griff.
Das in Japan stetig wachsende Kleinstwagensegment dominiert Suzuki seit Jahren derart erfolgreich, dass Toyota sich genötigt sah, etwas zu tun, was in der Firmenphilosophie nie vorgesehen war: einen Wettbewerber, nämlich Daihatsu, zu kaufen. Und wer Toyota bezwingt, noch dazu auf dem Heimatmarkt, wächst in der Achtung der VW-Führung Ferdinand Piëch und Martin Winterkorn in ungeahnte Höhen. Auch wenn die Chancen also überwiegen, bleibt ein Risiko: Hat VW genügend Management-Kapazitäten, um gleichzeitig Porsche zu integrieren und die Allianz mit Suzuki auf den Weg zu bringen? Auf jeden Fall verspricht das nächste Jahr wieder interessant zu werden.