München. Für die Marke Ford werden die Karten im Großraum München derzeit neu gemischt. Im Zuge der Kroymans-Insolvenz soll ein Ford-Betrieb in der Moosacher Straße im Münchner Norden bereits Ende August seine Pforten schließen. Auch der Traditionshändler Niedermair & Reich ist in den Sog der Krise geraten und gibt im Herbst seine beiden Standorte auf, um einer drohenden Insolvenz zuvorzukommen. Die Weiterführung des Unternehmens mit seinen 150 Mitarbeitern sei wirtschaftlich nicht mehr vertretbar gewesen, sagt Geschäftsführer Anton Reich. "Wir haben die Notbremse ziehen müssen. Es ging einfach nicht mehr.“ Das Aus für das 1945 gegründete Unternehmen sei aufgrund des immer größer gewordenen Kostendrucks unvermeidbar gewesen, sagt Reich. "Auch der Hersteller und die Banken haben immer mehr Druck gemacht.“ Das sei zu viel gewesen. Neben Ford verkauft Niedermair & Reich in München auch Fahrzeuge der Marken Mazda, Volvo, Jaguar, Land Rover und Fiat.
Ford will den Raum München künftig besser ausschöpfen
Die Situation in München sei für einen mittelständischen Familienbetrieb immer schwieriger geworden, sagt Reich, der auch im Ford-Händlerbeirat aktiv ist. "Sie haben hier zum einen die großen Niederlassungen der Hersteller, zum anderen die Riesenhäuser der großen Gruppen. Da kommen die mittelgroßen wie wir unter die Räder“, konstatiert Reich, der den Hersteller Ford für die Misere seines Unternehmens mitverantwortlich macht. So sei die Schließung die notwendige Folge eines von Ford forcierten und finanzierten Verdrängungswettbewerbs unter den Ford-Vertragshändlern im Marktverantwortungsgebiet München.
Für den Hersteller sei der Markt im Raum München nicht ausreichend ausgeschöpft worden, so Reich. "Zuerst hat man das mit Kroymans versucht, jetzt mit der AVAG.“ Die Augsburger Handelsgruppe AVAG Holding hatte Ende Juli an zwei Standorten des Automobilforums Wickenhäuser – in München- Moosach und Eching – mit dem Verkauf und dem Service der Marke Ford begonnen. Hintergrund ist die unklare Zukunft der bisherigen AVAG-Stammmarke Opel. AVAG-Vorstandschef Volker Borkowski versteht die Erweiterung des Markenportfolios als Beitrag zur "strategischen Risiko-Diversifizierung“. Bis Jahresende sollen bei Wickenhäuser rund 150 Ford-Neuwagen verkauft werden, im ersten vollen Geschäftsjahr 2010 dann rund 600. Ab Herbst will die Gruppe die neue Marke auch am Stammsitz in Augsburg anbieten. Ford-Vertriebschef Jürgen Stackmann gibt sich zuversichtlich, den Marktanteil, der im Großraum München 2008 bei gut vier Prozent lag, mit dem "neuen starken Handelspartner“ in Richtung des Bundesdurchschnitts von derzeit sieben Prozent zu bringen.