Wolfsburg. Europas größter Autobauer VW bleibt in der dramatischen Branchenkrise trotz massiver Einbußen in der Gewinnzone. Rückenwind durch die Abwrackprämie, eine breite Modellpalette und der Verkauf der Schwerlastertochter retteten den Konzern im ersten Halbjahr 2009 vor roten Zahlen. Nach dem Auslaufen der Abwrackprämie rechnet VW im kommenden Jahr jedoch mit einem möglicherweise radikalen Marktrückgang. Der deutsche Automarkt könnte von 3,7 Millionen Autos in diesem Jahr auf rund 2,7 Millionen Stück fallen, sagte VW-Vertriebsvorstand Detlef Wittig.
Auf dem Weg zu einem gemeinsamen Großkonzern mit dem Sportwagenbauer Porsche konnte VW seine finanzielle Basis stärken. Die Barreserven lägen mit 12,3 Milliarden Euro um 4,3 Milliarden Euro höher als Ende 2008, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Wolfsburg mit. Der Konzerngewinn sank dagegen um mehr als 80 Prozent auf 494 Millionen Euro. Andere Autobauer wie Daimler und Porsche hatten zuvor Milliardenverluste gemeldet.
VW-Chef Martin Winterkorn betonte, der bisherige Jahresverlauf zeige, dass VW auch in der Krise mit dem Modell des Mehrmarkenkonzerns bestens gerüstet sei. Volkswagen habe deutlich besser abgeschnitten als der Gesamtmarkt, der fast 18 Prozent im ersten Halbjahr verloren habe. "In einer besonders schwierigen Phase auf den internationalen Automobilmärkten ist es uns gelungen, wichtige Marktanteile zu gewinnen. Damit haben wir unsere Ausgangsposition auf dem Weg an die Spitze weiter verbessert", sagte der VW-Chef. Winterkorn hat sich zum Ziel gesetzt, Toyota zu überholen und der weltgrößte Autobauer zu werden.
Das operative Ergebnis brach im ersten Halbjahr von 3,4 auf 1,2 Milliarden Euro ein. Darin enthalten ist mit 0,6 Milliarden Euro der Ertrag aus dem Verkauf des brasilianischen Nutzfahrzeuggeschäfts an den Münchener MAN-Konzern. Der Umsatz sank um 9,4 Prozent auf 51,2 Milliarden Euro.
Bei den weltweiten Auslieferungen verbuchte Volkswagen jedoch nur ein Minus von 4,4 Prozent auf 3,1 Millionen Autos. Im zweiten Quartal nahmen die Auslieferungen sogar um 1,4 Prozent auf 1,7 Millionen Autos zu. Neu eingeführte Modelle wie der VW Golf VI, Audi Q5, Skoda Superb und Seat Ibiza hätten erfreuliche Absatzzahlen erreicht, teilte der Autobauer mit.