München. Für den größten Autobauer der Welt ist der neue Chef geradezu eine Revolution: Akio Toyoda ist mit 53 Jahren nicht nur der jüngste "leitende Direktor und Präsident“ in der Geschichte des Unternehmens. Der Enkel des Firmengründers Shoichiro Toyoda ist auch fest entschlossen, vieles anders zu machen als seine oftmals betagten Vorgänger. Wöchentlich unternimmt Toyoda Testfahrten mit Fahrzeugen der eigenen Marken und Konkurrenzmodellen. Auch das hatte es bei Toyota noch nie gegeben. Über seine Vorgänger, die sich stets in extra für diesen Zweck gebauten Century-Limousinen chauffieren ließen, wurde gemutmaßt, sie besäßen gar keinen Führerschein. Toyoda hingegen hat auch eine Rennfahrer-Lizenz. Dreimal nahm er unter dem Pseudonym Morizo Kinoshita am 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring teil und fuhr dabei im Lexus LF-A auf den vierten Platz seiner Klasse.
Auch als Toyoda im Juli seinen Job antrat, gab er mächtig Gas: 40 Prozent der Führungskräfte werde er austauschen, denn die Lage sei ernst. Erstmals ist das Unternehmen in die Verlustzone gerutscht. Toyota sei auf eine schiefe Ebene geraten, an deren Ende auch der Untergang stehen könnte, machte der Manager klar: "Wir müssen uns fragen, was ein gesundes Maß an Wachstum ist. Bisher lag das Interesse vornehmlich auf Absatz und Gewinn. Das kann nicht alles sein.“ Das sind neue Töne in einem Konzern, der stets als unbeweglich und wenig kreativ beschrieben wurde. Toyota baut qualitativ hochwertige, aber wenig aufregende Autos. Auch daran will Toyoda etwas ändern, wie er mit seinem ureigensten Projekt, dem Supersportwagen Lexus LF-A, bewiesen hat. "Im Moment sind alle in der Schockstarre. Aber der neue Schwung wird dem Unternehmen gut tun. Endlich reißt einer die Fenster auf“, schwärmt ein Toyota-Insider, der die Firma seit über 20 Jahren kennt. "Das ist eine Revolution.“ Und eine schlechte Nachricht für Volkswagen. Denn mit Akio Toyoda am Ruder ist es sicher nicht einfacher geworden, das Ziel zu erreichen, Toyota bis zum Jahr 2018 vom Thron zu stoßen.