Stuttgart. Daimler-Chef Dieter Zetsche hat die Übernahme des Formel-1-Teams Brawn GP durch Mercedes gegen hausinterne Kritik verteidigt. "Es wäre eine vertane Chance, die Faszination der Marke Mercedes-Benz auf dieser Weltbühne nicht noch wirksamer in Szene zu setzen", schrieb Zetsche in einem Brief an die Mitarbeiter, der der Deutschen Presse-Agentur dpa vorliegt. Er versprach, die Formel-1- Investitionen des Unternehmens bis Ende 2011 auf "jährlich unter 60 Millionen Euro" zu drücken. "Das ist rund ein Viertel unseres Formel- 1-Budgets früherer Jahre", betonte Zetsche.
Der Stuttgarter Autobauer will 75,1 Prozent am Konstrukteurs- Weltmeister Brawn kaufen und von der kommenden Saison an mit einem eigenen Werksteam starten. Der Daimler-Betriebsrat hatte den Deal scharf verurteilt. "In den Fabriken wird derzeit jeder Cent dreimal umgedreht. Die Beschäftigten nehmen in der Krise aufgrund von Arbeitszeitverkürzung und Kurzarbeit erhebliche Einkommensverluste hin", sagte Betriebsratschef Erich Klemm. Im Zuge der beschlossenen Trennung vom bisherigen Formel-1-Partner McLaren wäre ein kompletter Abschied aus der Königsklasse der richtige Weg gewesen. Zuvor hatten sich Honda, BMW und Toyota aus der Formel 1 zurückgezogen.
Zetsche erklärte hingegen, sportliche Erfolge in der Formel 1 seien wichtig für das Mercedes-Geschäft, "weil es keine globalere automobilsportliche Bühne gibt". Zudem werde der Autobauer mit dem Brawn-Kauf ein Versprechen einlösen. "Wir werden in Zukunft eine höhere Aufmerksamkeit für unsere Marke zu einem deutlich geringeren Kostenaufwand erzielen", schrieb der Konzernchef. Dies sei durch höhere Einnahmen aus den Vermarktungsrechten sowie dank des mit allen Teams vereinbarten Budgetlimits möglich.
Das neue Team des Autobauers soll 2010 unter dem Namen Mercedes Grand Prix starten. Daimler übernimmt dafür 45,1 Prozent der Anteile an Brawn GP. Aabar Investments kauft weitere 30 Prozent. Der Investor aus Abu Dhabi ist größter Daimler-Einzelaktionär. (dpa/fin/feb)