New York. Angesichts milliardenschwerer Rekordverluste des US-Autobauers General Motors wurde Rick Wagoner schon seit Jahren immer wieder dieselbe Frage gestellt: "Wie lange stehen Sie noch an der GM-Spitze?" Das wollten Journalisten bei fast jedem Auftritt des 56-Jährigen wissen. In so schweren Zeiten sei ein Wechsel "nicht sehr schlau", antwortete er meist und schob sein leicht verkniffenes Lächeln nach. Nun, so berichteten US-Medien Sonntag, wurde ihm die Wahl des Zeitpunkts abgenommen: Die Regierung von US-Präsident Barack Obama habe den Rücktritt Wagoners zur Bedingung für weitere Staatshilfen an den maroden Autobauer gemacht, berichtete unter anderem das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Insider.
Seit Juni 2000 sitzt der gut 1,90 Meter große Ex-Basketballspieler am Steuer der Opel-Mutter GM. Vor mehr als drei Jahrzehnten begann er seine Karriere bei der einstigen Ikone der US-Industrie. Mit einem Business-Abschluss der renommierten Harvard University in der Tasche startete er in der GM-Finanzabteilung. Die Sorge ums fehlende Geld raubte dem schlaksigen Blondschopf zuletzt mehr denn je den Schlaf.
In Wagoners Amtszeit geriet GM auf immer steilere Talfahrt: Die Verluste schwollen lebensbedrohlich an. Ausgerechnet zum 100. Geburtstag im vergangenen Jahr verlor der Traditionskonzern den Titel als weltgrößter Autobauer an den japanischen Erzrivalen Toyota. Wagoner stemmte sich mit dem Abbau von Zehntausenden Stellen und Werksschließungen gegen die Krise.