München. Dass die aufgestockte Abwrackprämie vom Handel euphorisch begrüßt wird, ist klar. Bringt sie doch den chronisch margenschwachen Autohäusern in Deutschland eine willkommene Atempause im Überlebenskampf. Doch man sollte sich dort keine falschen Hoffnungen machen: Irgendwann ist auch der vergrößerte Topf leer und das alte Spiel – Verdrängung, Insolvenz, Konzentration – beginnt erneut. Dabei ist es gar nicht die Frage, ob es in Deutschland zu viele Autohäuser gibt. Klar ist nur: Es gibt zu viele schlechte. Das jedenfalls zeigt ein Blick in die Testkaufstudie zum Automobilwoche Award Autohandel 2009.
Um den Fortbestand manchen Betriebs muss man zu Recht bangen, so wie dort die Kunden behandelt werden. Da werden Besucher im Autohaus zehn, 15 oder 20 Minuten lang ignoriert, ohne dass jemand zumindest fragt, was sie denn wünschen, einen Kaffee anbietet oder – was schon die gute Kinderstube gebietet – zumindest freundlich guten Tag sagt. Da bleiben E-Mails von Kaufinteressenten tagelang unbeantwortet. Am häufigsten übrigens bei Opel, wo zwei Drittel aller E-Mails ohne jede Antwort im Web versandeten. Da werden keine Probefahrten angeboten, obwohl das immer noch das beste Mittel zur Überzeugung eines Kunden ist. Und wie wird in weit mehr als der Hälfte der Fälle das "Verkaufsgespräch“ beendet? Der Verkäufer fragt weder nach Name noch nach Telefonnummer oder Adresse des Interessenten. Die Gründe für dieses desolate Testergebnis sind sicher vielfältig. Als einen Grund nennt Toyota-Deutschland-Chef Alain Uyttenhoven die Fluktuation: "Die meisten Verkäufer wechseln spätestens nach drei Jahren die Marke. Versuchen Sie da mal, einen Standard zu halten.“
Autohändler Burkhard Weller nennt noch eine andere Ursache: "Wir haben alle zusammen unsere Hausaufgaben nicht erledigt“, sagt er für die gesamte Branche. Im Service arbeiteten Mitarbeiter, "die machen für das halbe Gehalt einen besseren Job als die Verkäufer“, so Weller. Gegen jede dieser Ursachen kann man etwas tun. Auch das zeigt die AAA-Studie des Münchner Transfer-Instituts. Denn im Vergleich zum vergangenen Jahr haben sich einige Marken deutlich gesteigert, wie der Gesamtsieger Mercedes, der Zweite BMW und auch Ford. Bei den Kölnern hat das schlechte Ergebnis von 2008 einen Ruck ausgelöst. In Rüsselsheim offenbar nicht: Opel, die Marke, die eigentlich am stärksten kämpfen müsste, ist weit zurückgefallen. Das dürfte sich, wenn die Abwrackprämie ausläuft, noch rächen.