Stuttgart. Die Universität Stuttgart baut derzeit den größten Fahrsimulator Europas, um damit ihre Stellung in der Fahrzeugforschung und im Bereich der Simulationstechnologie national und international zu festigen. Der Mega-Simulator, mit dem sich Fahrzeugbewegungen in acht Richtungen darstellen lassen, soll zur Verminderung des CO2-Ausstoßes beitragen. Wenn er in rund 15 Monaten einsatzfertig ist, werden darin innovative Fahrerassistenzsysteme erprobt, die den Spritverbrauch senken helfen. Der Simulator ist Teil des Programms VALIDATE, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung bis Juni 2011 mit 3,7 Millionen Euro gefördert wird.
Die Projektergebnisse sollen die wissenschaftliche und technologische Fahrzeugkompetenz der Uni Stuttgart stärken und die Lehre und Ausbildung der Ingenieure voranbringen, so die Zielsetzung der Schwaben. "Der Simulator kann auch von Studenten im Rahmen ihrer Studien- oder Abschlussarbeiten genutzt werden“, sagt Projektleiterin Anne Carlsson. Sie verspricht sich davon einen Vorteil gegenüber anderen Hochschulen im Wettbewerb um die besten Köpfe: "Ich hoffe wirklich, dass der Simulator ein Anreiz für Studenten sein wird, an die Uni Stuttgart zu kommen.“ Ein Anreiz für die Automobilhersteller und ihre Zulieferer ist der Simulator schon vor seiner Fertigstellung. Carlsson zufolge gibt es bereits starkes Interesse, Namen möchte Sie aber noch nicht nennen. Die Projektleiterin weiß, dass es weltweit nur wenige vergleichbare Anlagen gibt. Ein noch leistungsfähigerer Simulator steht laut Carlsson bei Toyota in Japan, ein mit der Stuttgarter Anlage vergleichbarer wird von einer amerikanischen Forschungseinrichtung genutzt.
Dank der Förderung des Ministeriums brauchen die Schwaben zum Aufbau der Anlage noch kein Geld aus der Industrie. Sobald der Simulator läuft, ist man allerdings offen für Forschungsaufträge. Und diese müssen sich keineswegs auf die CO2-Reduzierung beschränken, die das Forschungsministerium bis Mitte 2011 noch als Hauptziel vorgibt. Nach dem Auslaufen des Projekts könne man ebenso gut Assistenzsysteme prüfen, die den Fahrkomfort erhöhen sollen. Die Uni Stuttgart kombiniert zudem ihren Fahrsimulator geschickt mit einem weiteren Förderungsprojekt: Am Institut für Verbrennungsmotoren und Kraftfahrwesen (IVK) wird derzeit ein Antriebsstrangprüfstand aufgebaut, der auf Hybridantriebe spezialisiert ist. "Wir werden in der Lage sein, unseren Fahrsimulator mit dem neuen Antriebsstrangprüfstand zu verknüpfen. Damit können wir neuartige Antriebsstrangkonzepte vor dem Bau eines Prototyps testen“, sagt Projektleiterin Carlsson.