Wolfsburg/Hamburg. Europas größter Autobauer Volkswagen muss auf seiner außerordentlichen Hauptversammlung in Hamburg mit heftigem Gegenwind rechnen. Es dürften sich zahlreiche Kritiker zu Wort melden, die mit dem eingeschlagenen Kurs zur Übernahme des Sportwagenbauers Porsche nicht einverstanden sind. Neben der umstrittenen Finanzierung der Transaktion über die Ausgabe neuer Vorzugsaktien dürfte es dabei vor allem um die unklare Doppelrolle der Porsche-Eignerfamilien und VW-Kontrolleure gehen, allen voran Chefaufseher Ferdinand Piech. Die Hauptversammlung beginnt am Donnerstag (3. Dezember).
Die Zustimmung zur angestrebten Kapitalerhöhung dürfte indes nicht in Gefahr sein. Denn es wird sozusagen über die Köpfe der davon betroffenen Vorzugsaktionäre hinweg abgestimmt. Da sie selbst die neuen Aktien erwerben dürfen, muss VW ihre Einwilligung nicht einholen. Der Kurs, sich frisches Geld über stimmrechtslose Vorzugsaktien zu beschaffen, dürfte dagegen ganz im Sinne der Besitzer der Stammaktien sein. Schließlich müssen die Haupteigner - die Familien Porsche und Piech, das Land Niedersachsen und der neue Großaktionär, das Golf-Emirat Katar - dadurch keine Macht abgeben.
Bei der Hauptversammlung will sich das VW-Management die Erlaubnis einholen, innerhalb der nächsten fünf Jahre bis zu 135 Millionen neue Vorzugsaktien auszugeben. Der weitere Zeitplan sieht eine Kapitalerhöhung im ersten Halbjahr 2010 vor, mit der die Porsche-Übernahme refinanziert werden soll. In einem ersten Schritt wollen die Wolfsburger noch vor Jahresende knapp die Hälfte von Porsche kaufen und sind bereit, dafür rund 3,9 Milliarden Euro zu zahlen. Die endgültige Verschmelzung der beiden Unternehmen ist für das Jahr 2011 geplant.
Das VW-Management hatte stets betont, für die Porsche-Übernahme nicht in die Konzernkasse greifen zu wollen, um die für Kreditbedingungen wichtige Bonitätseinstufung durch Ratingagenturen nicht zu gefährden. Deshalb sollen die Vorzugsaktionäre zur Finanzierung der Porsche-Übernahme herangezogen werden. Als relativ sicher gilt, dass die VW-Vorzüge in den Leitindex Dax aufsteigen werden. Erwartet wird, dass die VW-Stammaktien ihren Dax-Platz räumen müssen, sobald Katar kurz vor Weihnachten seine Beteiligung auf rund 17 Prozent erhöht und damit der Streubesitz der Stämme auf unter zehn Prozent sinkt.