Neu Delhi. Für sein jüngstes Autohaus in Neu Delhi hat sich Volkswagen einen perfekten Standort ausgesucht - mitten im pulsierenden, modernen Süden der indischen Hauptstadt, direkt an der vielbefahrenen Ringstraße. Rund um die Uhr schiebt sich hier eine ausdauernd hupende Blechlawine entlang. Meist im Schritttempo, so dass genug Zeit bleibt, um "Volkswagen Delhi South" beim Blick durch die Windschutzscheibe zu entdecken. Erst am Freitag wurde der Laden feierlich eröffnet. An diesem Mittwoch will der Wolfsburger Konzern hier und im ganzen Land mit dem Verkauf des VW Polo seien Angriff auf den indischen Kleinwagenmarkt starten.
Gegenwärtig werden in Indien knapp 1,5 Millionen Autos pro Jahr verkauft. Schon 2014 sollen es weit mehr als zwei Millionen sein, was jährlichen Wachstumsraten von etwa 15 Prozent entspricht. Kleinwagen machen dabei fast drei Viertel des boomenden Marktes aus. "Ein gutes Modellangebot in diesem Segment ist für die Konzerne daher der Schlüssel zum Erfolg", sagt Dilip Chenoy, Generalsekretär des Automobilverbandes SIAM. Branchenprimus ist seit Jahren der indisch-japanische Autobauer Maruti-Suzuki, der mit seinen zahlreichen Modellen einen Marktanteil von 50 Prozent hält, gefolgt von Hyundai mit mehr als 20 Prozent aller verkauften Autos.
Europäische Hersteller haben Indien lange ignoriert. Auch die VW-Manager vollzogen den Schritt auf den Subkontinent nur zögerlich. Zwar werden im westindischen Aurangabad schon seit 2001 Mittelklassewagen der Marke Skoda gefertigt. Nach mehrjähriger erfolgloser Standortsuche und einem handfesten Korruptionsskandal konnte der Einstieg von Volkswagen jedoch erst Ende 2006 bekannt gegeben werden. Kurz darauf startete in Aurangabad die Produktion ausgewählter VW-Karossen in kleiner Stückzahl. Parallel dazu wurde im knapp 250 Kilometer entfernten Pune eine 580 Millionen Euro teure Fabrik aus dem Boden gestampft, in der nun der Polo vom Band rollt.