München. Der schwedische Nutzfahrzeughersteller Scania will angesichts der anhaltend sinkenden Nachfrage versuchen, drohende Entlassungen durch einen Ausbau der betrieblichen Weiterbildung zu vermeiden. Seit Februar erhalten rund 5000 Beschäftigte des mehrheitlich zum VW-Konzern gehörenden Unternehmens, für die in der Produktion derzeit nur eingeschränkt Bedarf besteht, unter anderem Lehrgänge zur Prozessoptimierung und Trainings in Fremdsprachen sowie Mathematik. „Indem wir die Mitarbeiter trainieren, sich mit Verbesserungen auseinanderzusetzen, um diese dann als ,Best Practice‘ in ihre tägliche Arbeit zu übertragen“, sagt der Scania-Topmanager Per Hallberg, „verbessern wir unsere Wettbewerbsfähigkeit, wenn das Auftragsvolumen wieder steigt.“
Begonnen haben die Trainings, die laut Scania „im Wechsel mit der täglichen Produktionsarbeit“ erfolgen, in den schwedischen Werken Södertälje, Luleĺ und Oskarshamn. Im nächsten Schritt sollen ähnliche Fortbildungen an Scania-Standorten in Frankreich, in den Niederlanden und in Südamerika erfolgen. In Deutschland und Österreich wiederum bietet Scania inzwischen unter anderem Online-Trainings für Verkäufer an. In der Gewerkschaft IG Metall dürfte die Scania-Initiative als vorbildlich gelten. „Im Kontext der derzeitigen Krise sind Modelle gefragt, die Entlassungen verhindern“, hatte etwa der niedersächsische IG-Metall-Funktionär Hartmut Meine vor Kurzem erklärt.
„Scania nutzt die Zeit, um nach der Krise besser aufgestellt zu sein als vor der Krise“, heißt es aus Schweden mit Blick auf die zum Teil massive Reduzierung der Belegschaft bei etlichen Wettbewerbern. „Trotz der jetzigen Wirtschaftssituation hält Scania an seinem künftigen Produktionsvolumen von rund 150.000 Fahrzeugen fest.“ VW-Chef Martin Winterkorn ist zuversichtlich: „Wir haben zahlreiche Möglichkeiten für eine engere Zusammenarbeit identifiziert und arbeiten an der Umsetzung.“