Stuttgart. Der Stuttgarter Autobauer Porsche will das Kapitel Zwangsarbeit im Unternehmen während der NS-Zeit jetzt systematisch aufarbeiten. Von externen Fachleuten sollen noch in diesem Jahr Hinweise auf den Einsatz von hunderten von Zwangsarbeitern geprüft werden, sagte Porsche-Archivleiter Dieter Landenberger der israelischen Zeitung "Haaretz". Ein Sprecher des Porsche-Konzerns sagte, man sei von einem "kleinen Kreis" von Zwangsarbeitern ausgegangen; mittlerweile habe sich herausgestellt, dass es sich doch um eine größere Zahl handele.
Er betonte: "Wir müssen das Thema aufarbeiten." Zunächst würden eigene Fachleute die Archive, die infrage kommen, zusammenstellen. "Wir sind noch ganz am Anfang des Prozesses." Im nächsten Schritt sollten dann externe Experten hinzugezogen werden. Das Thema Zwangsarbeit hatte neue Aktualität durch ein Buch über "Stuttgarter NS-Täter" erlangt, in dem der Wirtschaftsjournalist Ulrich Viehöver unter anderem das Verhalten von Ferdinand Porsche unter die Lupe nimmt. Darin gibt er die Zahl der Zwangsarbeiter mit 300 an.
Porsche war nach eigenen Angaben bisher nur die Zahl 50 bekannt. Dabei habe es sich um Polen, Russen, Holländer, Flamen, Belgier, Tschechen und Italiener gehandelt. Auf einen Aufruf des Unternehmen hätten sich elf ehemalige Zwangsarbeiter gemeldet, von denen acht entschädigt worden seien. Porsche habe in die Stiftung der deutschen Wirtschaft zur Entschädigung der Zwangsarbeiter fünf Millionen D-Mark (etwa 2,5 Millionen Euro) gezahlt. (dpa/gem)