München. Mehrfach hatte VW-Konzernchef Martin Winterkorn angekündigt, mit seinem Unternehmen "gestärkt aus der Krise“ hervorgehen zu wollen. Das war wenig originell, wurde dieses Ziel doch von vielen Bossen genannt. Doch im Gegensatz zu anderen hielt "Wiko“ Wort: Der Volkswagen-Konzern sprang 2009 nicht nur auf Platz zwei im Ranking der weltweit größten Autobauer. Mit der Porsche-Übernahme glückte dem Unternehmen zudem ein Husarenstück. Deshalb ist der VW-Konzern 2009 für die Automobilwoche unter den Autoherstellern der "Aufsteiger des Jahres“.
Als VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und sein "Vollstrecker“ ("Manager Magazin“) Winterkorn verkündeten, bis 2018 zum "weltweit führenden“ Autobauer aufzusteigen, vor Toyota, General Motors und Ford, da schüttelten viele Branchenbeobachter die Köpfe, nicht wenige lachten oder vermuteten provinziellen Größenwahn. Jetzt lacht keiner mehr: Anfang des Jahres kam VW dem Branchenprimus Toyota schon gefährlich nahe. Während der Weltmarkt in diesem Jahr um rund zehn Prozent schrumpft, dürfte VW seinen Absatz leicht steigern und damit einen Weltmarktanteil von über zwölf Prozent erreichen. Und der Konzern blieb trotz der Krise – im Gegensatz zu Toyota – in der Gewinnzone.
Der eigentliche Coup gelang VW dann mit dem "Reverse Takeover“, der umgekehrten Übernahme: Statt von Porsche geschluckt zu werden, wird VW nun schrittweise den hoch verschuldeten Sportwagenbauer samt der österreichischen Autohandelsgruppe Porsche Holding Salzburg kaufen. Das kostet den Konzern stattliche 16 Milliarden Euro, wie Kritiker monieren. Doch dafür müssen die Wolfsburger nicht einmal zur Bank gehen: Das Geld kommt von den Aktionären. Gleichzeitig verfügt der Konzern über 13 Milliarden Euro an liquiden Mitteln. So besitzt der "erfolgreichste Mehrmarkenkonzern der Automobilwelt“ (Winterkorn) nun mit Porsche zehn Auto- und Lkw-Marken. Suzuki und MAN könnten bald schon das Dutzend komplett machen.