Frankfurt/Main. Ein einziges Wort reicht aus, um die Lage der Autobranche zu beschreiben: Katastrophal. Hinter den schnittigen Karosserien verbirgt sich die schlimmste Krise der Autoindustrie seit dem Zweiten Weltkrieg. Finanzkrise und Ökoschock, Rezession und Kreditklemme, hohe Rohstoffpreise und Rabattschlachten bilden eine explosive Mischung. Noch können Kurzarbeitergeld und Abwrackprämie die Krise in Deutschland notdürftig verschleiern. Doch just zum Beginn der Internationalen Automobil-Ausstellung IAA in Frankfurt (17.- 27. September) wird der Prämientopf leer sein. So wird sich auf der Messe die Frage stellen, wie es weitergehen soll.
"Die IAA 2009 wird zeigen, wie die Firmen aus der Talsohle herausfahren", hat der Präsident des Branchenverbandes VDA, Matthias Wissmann, angekündigt. Wenn das so einfach wäre. Vor zwei Herausforderungen steht die Autoindustrie. Erstens muss die Branche technologisch die Elektrifizierung der Antriebe schaffen, und das in möglichst kurzer Zeit. Ohne horrende, milliardenschwere Investitionen ist das nicht zu machen. Rund 30 Milliarden Dollar Zusatzkosten kommen laut Studien bis 2015 weltweit auf die Hersteller zu, um den Schadstoffausstoß zu senken. Laut einer anderen Untersuchung dürften vor allem die Entwicklung und Produktion sparsamerer Verbrennungsmotoren sowie elektrischer Antriebe bis 2020 rund 114 Milliarden Euro verschlingen. Wem die Mittel fehlen, der könnte auf der Strecke bleiben.
"Die Neuordnung der Branche hat gerade erst begonnen", sagt Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft. Die Zusammenarbeit von Fiat/Chrysler und VW/Porsche sei der Anfang, auch die Erzrivalen Mercedes und BMW müssten aneinanderrücken. Das schont den Geldbeutel, schadet aber dem Image. "Kooperationen sind Gift. Sie machen die Marke kaputt und zerstören das Vertrauen der Käufer", warnt Autoexperte Christoph Stürmer vom Prognoseinstitut Global Insight.
Das Zauberwort heißt Öko-Autos. Was auf der IAA vor zwei Jahren wie Zukunftsmusik klang, ist heute in vielen Fahrzeugen bereits Gegenwart wie Start-Stopp-Generatoren oder Bremsenergierückgewinnung. Alle namhaften Marken zeigen auf der IAA Kombinationen von Elektro- und Verbrennungsmotor (Hybrid) und Elektroautos. Doch der Elektroantrieb ist trotz des ganzen Hype noch Zukunftsmusik. "Das Elektroauto wird erst nach 2020 alltagstauglich und wettbewerbsfähig sein", sagt Autoexperte Diez. "Die grüne Revolution findet auf dieser IAA nicht statt."
Zweitens steht außer Frage, dass die Branche schrumpfen muss. Mit jedem verkauften Auto verliert der Hersteller 1800 Euro, rechnet die Beratungsgesellschaft Alix Partners vor. Seit Jahren plagen Überkapazitäten die Hersteller. Insbesondere in Europa werden Standorte trotz Überkapazitäten am Leben erhalten - oft mit Steuergeldern. Ein Beispiel ist das Gezerre um den Verkauf der bisherigen General-Motors-Tochter Opel.