Paris. Die beiden japanischen Premiummarken Lexus und Infiniti greifen den deutschen und europäischen Markt mit unterschiedlichen Strategien an. Während Lexus das Händlernetz verkleinert und sich zur reinen Hybrid-Marke wandeln will, setzt Infiniti auf den Ausbau des noch dünnen Netzes und auf die seit Sommer verfügbaren Dieselmotoren. Lexus fährt in Deutschland seit Jahren im Rückwärtsgang. 2008 verkaufte die Toyota-Marke in Deutschland noch 3745 Fahrzeuge, ein Jahr später waren es noch 2197. Deutschland-Chef Ulrich Selzer will dieses Niveau im laufenden Jahr halten, doch nach Ablauf von neun Monaten ist der Absatz erneut gesunken. "Was wir brauchen, sind engagierte Händler, die sich als Botschafter der Marke verstehen“, sagt Selzer dazu. Inzwischen passt er das Netz an den gesunkenen Absatz an und lässt all jene Händler ziehen, die Lexus bislang nur geführt haben, weil sie sonst Nachteile als Toyota-Händler befürchteten.
Die Reaktionen sind eindeutig: Die Zahl der Lexus-Vollhändler sank in diesem Jahr auf 35 nach 43 im Vorjahr. Die Hoffnungen der Lexus-Händler ruhen jetzt auf dem in Paris gezeigten ersten Kompaktwagen von Lexus, dem Hybridmodell CT 200h, der ab Frühjahr 2011 dem BMW Einser und dem Audi A3 Konkurrenz machen soll. "Der CT 200h muss endlich für Volumen sorgen, auf das wir schon lange warten“, sagt Udo Jüngling, Geschäftsführer des Verbands der Toyota-und Lexus-Händler Deutschlands. Einen Schub erwartet Markenchef Selzer auch durch das wachsende Angebot im Hybridmarkt. Dadurch könnten Toyota und Lexus als Pioniere der Hybridtechnik punkten, so Selzer. Bei Infiniti strahlen die Verantwortlichen großen Optimismus aus.
Nach einem eher holprigen Start mit verschwurbelter Nobel-Lyrik setzt das Marketing jetzt auf die sportlichen Gene der Marke und auf die erstmals angebotenen Dieselmotoren. "Unser Ziel für Westeuropa waren für dieses Jahr 5000 Fahrzeuge, und das werden wir erreichen“, sagte der seit Mai für Europa zuständige Marketingchef Jean-Pierre Diernaz im Gespräch mit der Automobilwoche. Seit diesem Sommer kann Diernaz endlich die ersehnten Selbstzünder anbieten. Die Reaktion der Kunden gibt ihm recht: "Mehr als 80 Prozent der Verkäufe gehen mit einem Diesel raus.“
Angreifen wolle Infiniti aber nicht nur mit den Themen Leistung und Design, betont Diernaz. "Infiniti hat sich entschieden, auf die Innenraum-Qualität als USP zu setzen.“ Europa-Verkaufschef Philippe Saillard baut im Eiltempo das Ende des Jahres 2008 gestartete Vertriebsnetz aus. Ziel seien exklusive Standorte und ebensolche Showrooms. Mit diesem Konzept ist Infiniti bislang mit 36 Standorten in 16 europäischen Ländern vertreten. Bis Ende März des Jahres 2012 sollen es 55 Stützpunkte sein. In Deutschland kam nach Hamburg und Dresden im September ein Showroom in Berlin-Charlottenburg hinzu, betrieben von der Autohaus Günther GmbH. Noch im Oktober wird das Nissan-Autohaus der Preckel GmbH & Co. KG an der Düsseldorfer Automeile um ein Infiniti-Centre erweitert.