Mörfelden. Deutschland wird für die Volkswagen-Tochter Seat immer wichtiger: Der deutsche Markt war mit 69.437 Neuzulassungen im Jahr 2009 der zweitgrößte nach Spanien mit 83.792 Einheiten. Dank der Abwrackprämie konnte im vergangenen Jahr die Produktion im spanischen Stammwerk Martorell angekurbelt und die Kurzarbeit reduziert werden. Für die Zukunft hat sich der Geschäftsführer von Seat Deutschland, Rolf Dielenschneider, viel vorgenommen: Er will den Flottenmarkt erobern. In den ersten acht Monaten dieses Jahres verdoppelte sich der Anteil der gewerblichen Neuzulassungen am Seat-Verkaufsvolumen im Vergleich zum Vorjahr. Allerdings befinden sich die gewerblichen Verkäufe noch auf dem niedrigen Niveau von 3659 Autos.
Dielenschneiders Hoffnungen ruhen auf drei neuen Fahrzeugen: auf dem Kombi Exeo ST, der im Sommer 2009 eingeführt wurde, auf der Kombi-Version Ibiza ST, die seit Juli dieses Jahres auf dem Markt ist, und auf dem Van Alhambra, der soeben in den Handel gekommen ist. Damit stehen ihm drei geräumige Modelle zur Verfügung, mit denen er gezielt neue Flottenkunden ansprechen will. Mit der Einführung des Exeo und des Exeo ST seien die Verkäufe der Vans Altea und Altea XL gestiegen – weil die Marke jetzt als Anbieter größerer Fahrzeuge wahrgenommen werde, so Dielenschneider. Der Seat-Deutschland-Chef will seine Dienstleistungen für Großkunden und kleine Flotten ausbauen. „Wir haben momentan 50 Großkunden-Kompetenz-Center in unserem Vertriebsnetz“, sagt Dielenschneider. „Bis Ende 2011 werden wir rund 80 spezialisierte Stützpunkte haben.“ Eines der Center hat hierzulande kürzlich das bislang größte Flottengeschäft für die Marke abgeschlossen.
Das Autohaus Römer in Kaltenkirchen übergab 68 Fahrzeuge an den DRK-Kreisverband Segeberg, weitere acht sollen noch in diesem Jahr an den Kunden ausgeliefert werden. Dielenschneider wirbt mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis: „Sie werden keinen besseren Preis finden“, verkündete er bei der Fahrvorstellung des neuen Alhambra. Der Ford Galaxy liege bis zu 900 Euro über der Seat- Großraumlimousine. Die Spanier bieten ihren Van rund 1500 Euro billiger an als Volkswagen den VW-Zwillingsbruder Sharan. Von einem internen Wettbewerb will man bei Seat aber nichts wissen und verweist lieber auf die Franzosen, die man ebenfalls mit dem Alhambra angreifen will.
In diesem Jahr plant man bei Seat, in Deutschland mindestens 50.000 Fahrzeuge zu verkaufen. Damit läge der Importeur knapp 20.000 Einheiten unter dem Absatz von 2009, der von der Abwrackprämie getrieben war, und knapp über dem von 2008 mit 49.331 Fahrzeugen. Einen Absatzschub erhofft sich Dielenschneider vom Jubiläumsangebot. Zum 60. Geburtstag der Marke gewährt Seat 60 Tage lang einen Nachlass auf alle Modelle außer auf den Alhambra. Für September rechnet Dielenschneider mit einer Steigerung der Auftragseingänge von bis zu 15 Prozent. Auch für Oktober geht er von einer ähnlichen Größenordnung aus.