München. Die Ankündigung des neuen Opel-Chefs Nick Reilly, das Werk in Antwerpen zu schließen, konnte wirklich niemanden mehr überraschen. Auch die Begründung nicht: Die Produktion müsse der Nachfrage angepasst werden. Doch warum ist die Nachfrage nach Opel-Produkten so niedrig, dass mindestens ein Werk und europaweit 8000 Arbeitsplätze überflüssig geworden sind? Seit Mitte der 90er-Jahre jagt bei Opel ein Sanierungsprogramm das nächste. Die wievielte "Kapazitätsanpassung“ ist das eigentlich? Solange Opel keine Führung hat, die sich auf neue, attraktive Produkte konzentriert, steht die nächste schon vor der Tür. Das Team Carl- Peter Forster und Hans Demant hatte das erkannt und den Niedergang zumindest ein paar Jahre aufgehalten. Es ist zu befürchten, dass er unter Nick Reilly wieder Fahrt aufnimmt.
Die Vita des als Sanierer bekannten Walisers ist beeindruckend: Er hat für General Motors schon so machen Brandherd rund um den Globus gelöscht. Nur: Opel braucht keinen Feuerwehrmann, sondern einen Architekten. Sanierer haben GM und Opel dorthin gebracht, wo das Unternehmen heute steht: am Abgrund. GM war über Jahre nicht bereit, die nötigen Investitionen in wettbewerbsfähige Opel-Modelle zu leisten. Genau wie GM in den USA Milliarden in Verkaufsförderung versenkt hat, statt sie in Produkte zu investieren. Deshalb war der Wunsch der Opel-Belegschaft und des deutschen Managements, sich von der Mutter zu lösen, mehr als verständlich. Auch die neue GM-Führung, so ist in Rüsselsheim zu hören, will nur solche Neuentwicklungen finanzieren, die sich auch in den USA vermarkten lassen. Kleine Benzin-Direkteinspritzer? Gibt's nicht. Doppelkupplungsgetriebe? Neue Dieselmotoren? Not yet.
Es spricht für das Können der Opel-Ingenieure, dass es ihnen unter solchen Bedingungen gelungen ist, eine recht attraktive Produktpalette auf die Räder zu stellen. Doch im direkten Vergleich wird klar, dass auch die neuen Opel- Modelle hinter denen von Volkswagen und Ford nur dritte Sieger sind. Seit Jahren arbeiten die Ford-Ingenieure verbissen daran, technisch vorn dabei zu sein. Mit dem dritten Platz gibt man sich in Köln nicht zufrieden. Nun wird Ford kleine Benzin-Direkteinspritzer einführen, auf die Opel-Kunden noch lange werden warten müssen und die es bei VW längst gibt. Ob Nick Reilly weiß, worum es hier geht?