Brüssel. Der Produktionsstandort Brüssel ist einer der ältesten im weltweiten Geflecht des Volkswagen- Konzerns. Einst rollten dort Modelle wie Karmann Ghia, Porsche 356 und der VW Golf vom Band. Jetzt ist Audi Hausherr und produziert den A1. Derzeit verlassen 125 Fahrzeuge pro Tag das Werk, die maximale Kapazität liegt jedoch bei täglich 528 Einheiten. "Momentan trainieren wir die Mitarbeiter für ihre Aufgaben im Werk“, begründet eine Pressesprecherin den aktuell geringen Ausstoß. Seit Mai dieses Jahres läuft die Produktion des A1. Zuvor wurden noch der Audi A3 und der VW Golf am Standort Brüssel gebaut. Schon seit 2007 lief jedoch der Umbau des Werks für die Audi- Produktion. Rund 300 Millionen Euro wurden investiert. Und Audi ist ein attraktiver Arbeitgeber in der Region. "Das Gehaltsniveau der Belegschaft ist in etwa vergleichbar mit dem der deutschen Kollegen. Hier in Belgien liegen wir etwas darunter, aber nicht viel“, versichert Personaldirektorin Stefanie Ulrich.
Audi-Werk Brüssel: Kein Plan B zum A1
Rund 13.000 Menschen sind in Belgien derzeit in der Automobilproduktion tätig. 1989 waren es rund 36.000. Die Belegschaft im Audi-Werk musste von ehemals 5400 Mitarbeitern auf 2600 reduziert werden. "Wir haben ein Programm aufgelegt, bei dem die älteren Mitarbeiter in den Vorruhestand versetzt wurden. Die jüngeren Kollegen haben Abfindungen erhalten“, erklärt Ulrich und verweist auf die besonderen Umstände des belgischen Arbeitsmarkts: "Für gut qualifizierte Arbeitskräfte stehen die Chancen auf einen neuen Arbeitsplatz sehr gut.“ Um in der Personalplanung flexibel zu sein, hat Audi in Brüssel ein neues Programm zur Arbeitszeitregelung eingeführt – ein Arbeitszeitkonto. Mitarbeiter können Überstunden machen, die dann gutgeschrieben werden. Wenn die Auftragslage stagniert, kann der Arbeitnehmer seine Überstunden abbauen. Umgekehrt kann ein Arbeiter auch weniger Stunden im Werk tätig sein und dann den Rückstand wieder aufholen.
Das Investitionsvolumen von 300 Millionen Euro in Brüsselmöchte Audi gleich mit dem ersten Modellzyklus des A1 amortisieren. "Der A1 wird ganz sicher ein Erfolg. Einen Plan B gibt es nicht“, zeigt man sich kämpferisch. Die Voraussetzungen für den Erfolg sind gut: Das Werk ist modern, die Anlagen sind ergonomisch ausgelegt, um optimale Arbeitsbedingungen zu bieten. Die Rechnung geht offenbar auf. Der Gesundheitsstand der Belegschaft liegt bei 96,3 Prozent. "Das ist ein guter Wert“, sagt Stefanie Ulrich. Ein Ausbau sei derzeit nicht geplant. Sicher ist aber, dass es nach dem Anlauf des Dreitürers auch eine fünftürige Version geben wird. Audi sieht den A1 als erstes echtes Premiumfahrzeug im Kleinwagensegment. "Luxus wird nicht mehr allein durch Größe definiert“, sagt die Sprecherin mit Blick auf den kompakten A1.