München. Was Urlauber in den USA in diesem Sommer ärgern wird, ist für die deutsche Automobilindustrie ein Segen: Die Euro-Schwäche ist das beste Konjunkturprogramm, das sich die Branche nur wünschen kann. Jahrelang litten BMW, VW, Audi und Porsche unter dem schwachen Dollar. Wer sich die Autoinserate in US-Zeitungen anschaute, konnte sich nur die Augen reiben: Da wurden Audi Q7 zu Dollar-Preisen angeboten, die in Euro umgerechnet hierzulande kaum für einen A4 reichen. Da wurde die Mercedes E-Klasse zum C-Klasse- Preis offeriert, der Dreier-BMW zum Mini-Tarif. Die Preisunterschiede zwischen dies- und jenseits des Atlantiks werden durch die Schwäche des Euro nun zumindest verringert.
So gesehen müsste man den Euro-Krisenländern wie Griechenland, Spanien und Italien in Wolfsburg, Stuttgart und München dankbar sein. Wenn die Zahl stimmt, die Professor Ferdinand Dudenhöffer errechnet hat, fahren die deutschen Autobauer innerhalb von drei Jahren währungsbedingte Extra-Profite von fünf Milliarden Euro ein. Und die Währungsabsicherung (Hedging), die Währungsschwankungen eigentlich teilweise ausgleichen soll, ist hier schon eingerechnet.
Damit wird der schwache Euro für die deutschen Autobauer zu einem Konjunkturprogramm, das sogar die fünf Milliarden Euro aus der Abwrackprämie in den Schatten stellt. Denn die Euro-Abwrackprämie bleibt den Importeuren aus Asien und Südeuropa verwehrt. Sie wird nur an die gezahlt, die erfolgreich aus dem Euro- Raum exportieren. Die Schwäche von Unternehmen wie Audi, VW oder Porsche, die in den USA keine oder zumindest noch keine eigene Fertigung haben, wird so zur Stärke. Auf lange Sicht sei es sinnvoll, die Währungsschwankungen durch "natürliches Hedging“, also die Produktion der Fahrzeuge in den USA, in Großbritannien und Asien auszugleichen, sagt BMW dazu nicht zu Unrecht. Jetzt kommt es aber zunächst darauf an, dass die deutschen Autobauer die "Exportprämie“ nach der Abwrackprämie richtig nutzen und die Extragewinne in die Herausforderungen der Zukunft investieren: in die Entwicklung von Zukunftstechnologien, von alternativen Antrieben und attraktiven Produkten. Zudem müssen sie ihre Unternehmen wetterfest machen. Denn der nächste Sturm nach diesem warmen Regen kommt bestimmt.