München. Über das Thema Elektromobilität hat die Automobilwoche, auch an dieser Stelle, schon häufiger kritisch berichtet. Nicht zuletzt wegen der hohen Kosten, der eingeschränkten Nutzbarkeit und der eher dürftigen Umweltbilanz dieser Technologie. Nun hatte die Redaktion erstmals die Chance, ein Elektroauto über mehrere Tage zu testen. Es war der E-Mini von BMW. Da es sich hier um eine Kleinserie ohne Anspruch auf Perfektion handelt, muss man beim E-Mini über den Wegfall von Rücksitzbank und Kofferraum wohl hinwegsehen. Und dass wir das Auto ausgerechnet im schlimmsten Wintereinbruch bekamen, auch dafür kann es nichts. Wohl aber für seine dürftige Heizung.
Doch der wichtigste Kritikpunkt an dem Konzept ist wohl auch bei ausgefeiltester Serienreife nicht zu beheben: die geringe Reichweite. Dieser Schwachpunkt des reinen Elektroautos lässt sich so schnell nicht beheben. Auch Serienmodelle wie der Peugeot iOn, Mitsubishi i-MiEV oder Nissan Leaf fahren mit dieser Bürde herum. Dass die theoretische Reichweite solcher Fahrzeuge, rund 200 Kilometer, im Alltagsbetrieb so wenig erreicht wird wie der EU-Normverbrauch bei Benzin- und Diesel-Autos, ist klar. Nur dauert beim E-Auto das Nachtanken leider nicht Minuten, sondern Stunden. Folge: Man fährt ständig auf Reserve und in der Angst, nicht mehr nach Hause zu kommen. Ein Termin in der Münchner Innenstadt wird also in der Nähe einer Ladestation geplant. Nach 20 Kilometern Weg zur Arbeit und 40 Kilometern Anfahrt zum Termin komme ich mit 40 Prozent Batteriekapazität an. Nach dem 90-minütigen Gespräch ist die Batterie dank Starkstrom wieder auf 80 Prozent. Doch Heizungseinsatz und Rückweg lassen dann knapp 50 Prozent Kapazität übrig. Da die Kollegen noch einige Spritztouren unternehmen, wird der abendliche Heimweg erneut zur Zitterpartie. Mit den letzten paar Ampere wird die heimische Garage erreicht, wo eine 220-Volt-Steckdose wartet – was acht Stunden Ladezeit bedeutet.
Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass solche Fahrzeugkonzepte außerhalb eines eng begrenzten Kundenkreises – von Unternehmen, die ein grünes Feigenblatt brauchen, bis zu Technik- und Umweltfreaks – keinen großen Erfolg haben werden. Daran dürfte auch die Auszeichnung des Nissan Leaf ("Blatt“) zum "Car of the Year“ wenig ändern.