München. Bevor die Natur- und Nuklearkatastrophe in Japan mit diesem kaum mehr zu fassenden Ausmaß an menschlichem Leid alle anderen Nachrichten aus den Schlagzeilen verdrängte, konnte man meinen, die verkorkste Einführung des Kraftstoffs E10 sei das aktuell größte Menschheitsproblem. Um ehrlich zu sein: Mein Mitleid mit an Tankstellen herumirrenden Autofahrern auf der Suche nach der richtigen Spritsorte hielt und hält sich in Grenzen. Menschen, die kein Problem damit haben, im Internet den günstigsten Prepaid-Tarif für ihr Handy zu finden, sollen auf einmal damit überfordert sein, die richtige Benzinsorte auszuwählen?
Auch das Argument der E10-Gegner, Biosprit sei gar nicht umweltfreundlich, wird durch die neue Atomdebatte relativiert. So protestierte Grünen-Chef Cem Özdemir, die Autoindustrie solle lieber Elektroautos bauen, statt auf vermeintlich umweltfreundlichen Biosprit zu setzen. Nun, für Biosprit gilt das Gleiche wie für Elektrizität: Solche Energieträger sind immer nur so umweltfreundlich wie die Quelle, aus der sie sich speisen. Wird für Biosprit Regenwald abgeholzt – ein Vorwurf, der im Fall von E10 an den Haaren herbeigezogen ist –, ist er alles andere als umweltfreundlich und reduziert auch nicht die CO2-Emissionen. Ähnliches gilt aber auch bei der Elektrizität. Wer in Japan ein Elektroauto fährt, der hat es bisher zu 30 Prozent mit Atomenergie geladen.
In Frankreich, wo sich Renault, Nissan und Peugeot jedes Elektroauto mit Tausenden Euro vom Staat subventionieren lassen, sind es sogar 80 Prozent Kernenergie, die im Akku stecken. Ein Zusammenhang, der von Grünen und selbst ernannten Umweltschützern – anders als im Fall von E10 – gern unterschlagen wird. Hauptsache, es lässt sich mit Pauschalkritik an Autoindustrie und Mineralölwirtschaft kräftig in die Populismus-Kerbe hauen. Das soll nicht heißen, ich wäre von E10 begeistert. Wie schon beim Biodiesel sind doch diese Biokraftstoffe der ersten Generation alles andere als optimal. Denn sie werden aus Nahrungsmitteln produziert, was meiner Meinung nach abzulehnen ist. Anders Biokraftstoffe der zweiten Generation, die theoretisch sogar aus Abfällen gewonnen werden können. Leider bekommt die Forschung in diesem Bereich – im Gegensatz zum Elektroauto – nicht die Unterstützung, die sie verdient hätte. Warum eigentlich nicht?