Auburn Hills/Turin. Für Fiat- und Chrysler-Chef Sergio Marchionne ist die Richtung klar: In den nächsten Jahren wird aus den Allianzpartnern Fiat und Chrysler ein Unternehmen werden. „Ich bin kein Carlos Ghosn“, sagte er jüngst in Anspielung auf Renault und Nissan, die zwar Überkreuzbeteiligungen halten und von Ghosn in Personalunion geführt werden, aber nicht vollständig verschmolzen sind. Nachdem bei Fiat durch die Trennung der Pkw- und Industrieaktivitäten zu Jahresbeginn schon wesentliche Voraussetzungen für einen Merger geschaffen wurden, stellt Chrysler in diesem Jahr die Weichen: Die Staatskredite in Höhe von 7,4 Milliarden Dollar sollen getilgt werden.
Damit könnte der US-Hersteller erstmals auch netto in die schwarzen Zahlen zurückkehren. Allein die Zinsen belasten das Ergebnis mit rund 1,2 Milliarden Dollar jährlich. Im nächsten Schritt will Marchionne den Fiat-Anteil an Chrysler von 25 auf 51 Prozent erhöhen und den US-Hersteller an die Börse bringen. „Innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre könnten wir dann ein gemeinsames Unternehmen erhalten. Aus dem Blickwinkel der Unternehmensführung machen zwei getrennte Einheiten keinen Sinn“, so der Manager.
Dabei kokettiert Marchionne unverhohlen mit der Ansiedlung des Konzernsitzes in den USA, was in Italien hohe Wellen schlug. Zur Beruhigung der Gemüter stellte Aufsichtsrat John Elkann klar, dass die Fiat-Aktivitäten weiter von Turin aus geführt würden. Damit das Vorhaben gelingt, muss sich das Geschäft beiderseits des Atlantiks weiter verbessern. Für Fiat geht es darum, die Verschuldung im Industriegeschäft im Zaum zu halten. In diesem Jahr rechnen die Italiener mit einer Verdreifachung der Verbindlichkeiten auf 1,5 Milliarden Euro. Das wäre deutlich weniger als die 2,8 Milliarden Euro, die die Analysten im Durchschnitt erwarten. „Ein niedriger Schuldenstand würde mehr Flexibilität schaffen, um die Kaufoptionen für die Chrysler-Anteile auszuüben“, betont UniCredit-Analyst Gabriele Parini.
Entscheidend wird sein, wie sich das Europa-Geschäft entwickelt. Den Schätzungen von Parini zufolge dürfte Fiat den Verlust in diesem Jahr auf 635 Millionen Euro ausweiten, nachdem er für das vergangene Jahr schon ein Minus von 616 Millionen Euro veranschlagt hat. Selbst Marchionne macht sich keine großen Hoffnungen: „2011 wird für Fiat ein Übergangsjahr. Erst 2012 mit dem Start des neuen Panda und eines neuen Minivans können wir wieder Wachstum anpeilen.“