Eine solche Karriere hatte sich Christiane Hesse beim Beginn ihres Studiums wohl kaum vorgestellt. Nach der Hochschule begann sie mit dem Zweiten Staatsexamen in Germanistik und Politologie in der Tasche als Gymnasiallehrerin in Hildesheim. Heute verantwortet die 1957 geborene Norddeutsche als Vorstandsmitglied von Volkswagen Financial Services die Bereiche Personal und Organisation. Den Weg zu Volkswagen fand sie über Umwege: 1988 wechselte die in Rinteln an der Weser geborene Hesse von der Schule zur Technologieberatungsstelle Hannover – einem Kooperationsprojekt der Stadt mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund. Dort beriet Hesse Betriebs- und Personalräte verschiedener Unternehmen aus Niedersachsen bei der Einführung neuer Technologien.
Im Jahr 1992 kam sie zum Volkswagen-Konzern, zunächst als Fachreferentin beim Betriebsrat am Standort Hannover. Später wechselte sie ins Personalwesen und leitete das Personalcontrolling bei der Nutzfahrzeugtochter VWN. Im Januar 2005 wurde Christiane Hesse Personalchefin im polnischen VW-Werk Poznan´ , in dem der Caddy und der T5 gebaut werden. Eineinhalb Jahre später übertrug man ihr die Personalleitung des Standorts Hannover mit 12.500 Mitarbeitern. Drei Jahre später wiederum wechselte sie dann zu Volkswagen Financial Services. Seit sie vor 19 Jahren in den Volkswagen-Konzern eintrat, sei die Arbeit in der Autoindustrie "eine Berufung“.
Zur Frauenförderung hat Hesse eine klare Meinung: "Es sollte selbstverständlich sein, Frauen zu fördern, auch ohne gesetzliche Quote“, erklärt sie. Volkswagen sei mit den dortigen Programmen auf dem richtigen Weg. "Es gibt aber noch einiges zu tun, um Frauen auch in Richtung Führungspositionen noch stärker zu fördern.“ Am Konzernsitz in Wolfsburg sieht man die Weichen dafür gestellt: Bis 2020 sollen es im Management 15 Prozent Frauen werden, heißt es in der Mitarbeiterzeitschrift "Autogramm“. Frauen, die ins Management drängen, empfiehlt Hesse: "Kompetenz ist die Grundlage von Karriere. Kompetente Frauen sollten aber nicht darauf warten, entdeckt zu werden, sondern zeigen, dass sie in die erste Reihe wollen.“