Die Folgen der Japan-Katastrophe sind noch nicht eindeutig absehbar. Ein größerer Teil der in Europa verkauften "japanischen“ Fahrzeuge wird außerhalb Japans produziert. Aber nicht nur deren Fertigung, sondern auch die Produktion "europäischer“ Marken ist vielfach auf aus Japan zugelieferte Elektronikbauteile angewiesen. Allerdings können hier bis zu einem gewissen Grade nicht-japanische Zulieferer in die Bresche springen. Wir haben es hier mit einem weltweit sehr fein gesponnenen Lieferverbundnetz zu tun. So wäre es ein Wunder, wenn eine solche Katastrophe ganz ohne spürbare Auswirkungen bliebe. Aber ich bin ziemlich sicher, dass eventuelle Auswirkungen noch im Verlauf dieses Jahres überwunden sein werden.
"Patentrezepte gibt es nicht"
Nein, solche Befürchtungen teile ich nicht. Im Gegenteil, ich bin mir ziemlich sicher, dass auch unter einer grün-roten Landesregierung Pragmatismus letztlich Vorfahrt vor ideologischen Spiegelfechtereien haben wird. Denn jede Landesregierung, gleich welcher Couleur, wird sich sehr schnell der Bedeutung der Automobilindustrie nicht nur für Land und Leute, sondern auch für das eigene Schicksal bewusst werden. Mit der Autoindustrie – und zugleich den Autozulieferern sowie den Autohändlern und Werkstätten – sind gerade in Baden-Württemberg besonders viele Arbeitsplätze und damit Wähler verbunden. Das kann kein Politiker außer Acht lassen, wenn er irgendwann wiedergewählt werden will.
Wenn Sie mir diese Frage vor drei Monaten gestellt hätten, so hätte ich eingeräumt, dass die Autofahrer über diese neue Spritsorte im Vorfeld nicht intensiv genug aufgeklärt worden wären. Inzwischen kann sich aber seit vielen Wochen jeder Autofahrer an seiner Tankstelle oder im Internet informieren, ob sein Wagen E10-tauglich ist. In unseren Kfz-Betrieben hätte er das übrigens schon ab Dezember 2010 gekonnt. Wenn nun immer noch ein Großteil der Autofahrer lieber mehr bezahlt als E10 zu tanken, dann scheint mir das ein Problem im psychoanalytischen Bereich zu sein, für dessen Beurteilung es eines Sigmund Freud bedürfte.
Patentrezepte gibt es nicht. Jedoch sollten Händler, die mehrere Marken vertreten, darauf achten, dass jede einzelne Marke ihr marken-individuelles Umfeld hat. Wer einen Gemischtwarenladen führt, muss damit rechnen, dass markenbewusste Hersteller ihm per 2013 die Gretchenfrage stellen werden. Umgekehrt werden Händler, die in mittleren oder kleineren Städten oder gar in ländlichen Gebieten mehrere Marken jeweils erfolgreich vertreten, wenig zu befürchten haben. Würde ein Hersteller hier auf Markenexklusivität bestehen, dann würde er sich leicht ins eigene Fleisch schneiden. Er brächte diesen erfolgreichen Händler ohne Not in ertragsmäßige Bedrängnis, was dann auch auf den Vertriebserfolg seiner eigenen Marke negativ durchschlagen würde.
Dr. Konrad bringt sehr viel politische Erfahrung und zahlreiche Kontakte in Berlin und Brüssel für seine neue Aufgabe mit, und er ist vertraut mit den Themen, die das Kfz-Gewerbe umtreiben. So war er als EU-Parlamentarier unter anderem im Ausschuss für Wirtschaft und Währung Berichterstatter für das Thema Kfz-GVO. In seinen bisherigen Ämtern hat er sich stets für die unternehmerische Freiheit der Kfz-Betriebe eingesetzt. Insofern versprechen wir uns von ihm eine wirkungsvolle Vertretung der Interessen des Kfz-Gewerbes gegenüber der Politik in Berlin und in Brüssel. Jedenfalls sind wir sehr glücklich, ihn künftig an unserer Seite zu haben.
Bei einigen Fabrikaten ist die Diskussion mit den Herstellern über ein neues Geschäftsmodell in Gang gekommen, konkrete Ergebnisse gibt es aber noch nicht zu vermelden. Die Herstellerverbände beurteilen unsere Vorschläge als interessant und diskussionswürdig. Die Vertriebsverantwortlichen der Hersteller haben ihre Bereitschaft zu einer vertieften Erörterung mit dem jeweiligen Händlerverband bekundet. Uns ist aber auch von Anfang an klar gewesen, dass wir einen langen Weg vor uns haben. Wobei das verbesserte wirtschaftliche Umfeld diesen Weg nicht kürzer, sondern eher länger macht.
Zunächst einmal sollten wir derartige Modelle, wie Mobilität mit dem Auto zukünftig alternativ gestaltet werden könnte, nicht als Bedrohung, sondern als Chance begreifen. Immerhin haben wir als Kfz-Gewerbe hier die Möglichkeit, in Verkauf und Service des Verkehrsmittels eingeschaltet zu sein. Bei Straßenbahnen haben wir das nicht. Und was soll bedrohlich daran sein, dass das Auto vielfach nüchterner gesehen wird und Menschen – vor allem in Ballungsräumen, wo Parkplätze Mangelware sind – auf den Besitz eines eigenen Autos verzichten? Trotzdem werden für das Kfz-Gewerbe genügend Menschen übrigbleiben, für die ein eigenes – aber dann auch bitte schickes und gut ausgestattetes – Auto der Wunschtraum schlechthin ist.
Zunächst einmal ist es auch aus Sicht des Kfz-Gewerbes völlig richtig, dass der Forschung großzügig Gelder zur Verfügung gestellt werden, um nichts unversucht zu lassen, Fortschritte auf dem Gebiet der Batterietechnologie zu machen. Sollte es gelingen, Batterien zu entwickeln, die deutlich leistungsstärker, leichter und billiger sind als eine Lithium-Ionen-Batterie heute, dann rückt das politisch vorgegebene Ziel in erreichbare Nähe. Sollte ein solcher Quantensprung ausbleiben, dann werden Elektroautos auch mit Kaufprämien nur einen begrenzten Käuferkreis finden. Was wir als Kfz-Gewerbe nicht tun werden, ist nach Kaufprämien für Elektroautos zu rufen, die noch gar nicht auf dem Markt sind.
Die Aufgabe macht mir Freude und ich habe, solange die Gesundheit mitspielt – was gottlob der Fall zu sein scheint – den Eindruck, mit meinen Erfahrungen und Verbindungen noch einiges für das Kfz-Gewerbe tun zu können. Zudem habe ich mit den Vizepräsidenten Hülsdonk und Fromme zwei ausgezeichnete Mitstreiter an meiner Seite, mit denen die Zusammenarbeit sehr gut funktioniert. Auch erfahre ich aus der gesamten Organisation sehr viel Rückhalt. Schließlich hat sich auch meine Chefin zu Hause damit abgefunden, auf meine klugen Ratschläge hinsichtlich der Haushaltsführung noch drei weitere Jahre verzichten zu müssen.
Das Interview führte Bettina John.