München. Der Gebrauchtwagenhandel hat 2011 eine Wandlung vom Sorgenkind zum Musterknaben erlebt. Zu großzügig kalkulierte Rücknahmekonditionen bei Leasingfahrzeugen und Druck auf die Gebrauchtwagenpreise durch hohe Rabatte bei Neuwagen hatten lange die Rendite mager und den Händlern das Leben schwer gemacht. Seit Mai befinden sich die Preise der Gebrauchten nun im konstanten Steigflug. Die Höchstwerte der jüngsten Vergangenheit sind zum Greifen nah, wie die Zahlen der beiden großen Internetbörsen Mobile. de und AutoScout24 zeigen: 16.393 Euro kosteten die bei Auto- Scout24 gelisteten Gebrauchten im November durchschnittlich. Zu den 16.399 Euro, die im Oktober 2009 am Höhepunkt des bisherigen Analysezeitraums fällig wurden, fehlen nur noch sechs Euro.
Mobile.de verzeichnete im Oktober ein Plus von 2,1 Prozent bei den Gebrauchtwagenpreisen, obwohl das Angebot insgesamt gestiegen ist – in der Börse waren fast 20 Prozent mehr Fahrzeuge gelistet. Derzeit entwickeln sich fast alle Fahrzeugklassen positiv. Für Kleinwagen konnten im Oktober bei Mobile.de 4,4 Prozent höhere Preise erzielt werden als im Vorjahresmonat, in der Mittelklasse waren es 2,8 Prozent. Die Premiumhersteller verzeichnen bei ihren Gebrauchtfahrzeugen ebenfalls eine positive Entwicklung: „Die Erträge aus demGebrauchtwagengeschäft, das ja einmal die Quelle des größten Problems war, sind hervorragend“, sagte BMW-Deutschland-Chef Karsten Engel der Automobilwoche und fügte hinzu: „Ein Indikator hierfür sind die Standtage der Fahrzeuge. Hier bewegen wir uns zwischen 50 und 60 Tagen. Und alles unter 60 Tagen ist hervorragend.“
Große Handelsbetriebe bauen ihr Gebrauchtwagengeschäft aus und entwickeln dafür eigene Marken. Die AVP-Gruppe, einer der größten Händler des VW-Konzerns, hat dafür die Marke „Autoland“ mit einem 40.000 Quadratmeter großen Gebrauchtwagenzentrum aufgebaut. Nun soll das Gelände um ein Auto-Kaufhaus für gebrauchte Dienstwagen erweitert werden, um im Winter für die Kunden attraktiver zu sein.