München. Fahrerassistenzsysteme werden zunehmend auch in der Kompaktklasse angeboten. Für diese „Demokratisierung“ sorgen vor allem die Kostenreduzierung bei der Elektronik und steigendes Interesse von Kunden und OEMs. Für die Autohersteller gewinnen Assistenzsysteme zusätzlich an Reiz, weil im Testprogramm NCAP Advanced über das ESP hinaus auch weitere Sicherheitssysteme mit Punkten belohnt werden. Auf der anderen Seite wachse auch das Kundeninteresse, sagt Continental-Manager Wilfried Mehr, Head of Business Development Advanced Driver Systems. Nachdem sich Fahrerassistenzsysteme in der gehobenen Mittel- und der Premiumklasse etabliert haben, wünschten sich nun auch die Käufer kleinerer Fahrzeuge mehr Komfort- und Sicherheitssysteme.
Sicher Einparken für jedermann
Das Kosteneinsparpotenzial ist enorm. Bei Bosch kostet etwa das aktuelle ESP-System nur noch ein Viertel des ersten Systems von 1995. Wilfried Mehr von Conti unterstreicht das: „Verglichen mit einem Radar der ersten Generation kostet das System der dritten Generation nur noch 14 Prozent.“ Gesenkt werden die Kosten auch durch Fortschritte bei der Integration. Harald Barth von der Valeo Driving Assistance Group nennt Beispiele: Durch die Integration einer Fahrlichtautomatik in den Regensensor spare man sich zusätzlichen Montage- und Verkabelungsaufwand. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die „Fusion“ von Sensoren und Stellsystemen. Sind erst einmal ESP und elektrische Lenkung im Fahrzeug vorhanden, ist es nur noch ein kleiner Schritt, Assistenzsysteme einzubauen, die auch mit Lenkeingriffen arbeiten. Barth beschreibt ein Beispiel für die Doppelverwendung von Sensoren: „Der halbautomatische Einparkassistent nutzt die vorhandene Parkhilfesensorik und deren Steuereinheit, ABS-Sensoren, Temperatursensor und die elektrische Servolenkung.“
Dennoch müssen Assistenzsysteme für die Kompaktklasse deutlich günstiger sein als jene in Premiummodellen. Dafür werden entweder die Funktionsumfänge oder der Komfort reduziert. Valeo- Manager Barth macht das am Beispiel Parkhilfe deutlich. Vor allem in der Technik zur Ausgabe der Information an den Fahrer steckt Sparpotenzial: Die Einfachversion nur mit einem simplen Piepton ist kostengünstiger als die Ausgabe über das Soundsystem des Fahrzeugs – vielleicht noch zusätzlich mit optischer Information über ein hochauflösendes Farbdisplay.
Der Notbremsassistent, so erläutert man bei Bosch, könne sich in Kompaktmodellen auf Warnfunktion und eine Teilbremsung beschränken. In Oberklassemodellen erlaube dagegen zusätzliche Sensorik auch eine automatische Vollbremsung. Der Funktionsumfang wird aber auch in der Kompaktklasse weiter zunehmen. Die Zulieferer erwarten in diesem Segment unter anderem einen Tempomaten oder Abstandsregler, einen Notbremsassistenten, Verkehrszeichenerkennung, Spurhalteassistent, Totwinkelüberwachung, Müdigkeitswarnung, selbstlenkender Einparkassistent und Fernlichtassistent. Die ersten Kompaktklassewagen mit einem Großteil dieser einstigen Oberklasse-Ausstattung sind unter anderem bereits bei Opel (Astra) und Ford (Focus) im Angebot.