München. 125 Jahre ist das Automobil schon alt. Am 29. Januar 1886 wurde es von Carl Benz als benzingetriebenes Dreirad zum Patent angemeldet. Wenig später erfand Gottlieb Daimler die vierrädrige Motorkutsche. Das ist natürlich ein Grund zum Feiern, nicht nur für Daimler (wo ist eigentlich Carl Benz im Firmennamen geblieben?), sondern für die gesamte Automobilbranche. Das sollte für alle Unternehmen und Akteure gelten, die etwas dazu beigetragen haben, dass der alte Menschheitstraum von der unabhängigen Mobilität verwirklicht werden konnte. Die Automobilwoche begeht dieses Jubiläum mit 14 Sonderheften, die ab der nächsten Nummer (24. Januar) jeder Ausgabe beigeheftet sind, und mit einem eigenen Auftritt im Internet (www.125jahreauto.com).
Dabei soll es nicht nur um historische Themen und Oldtimer- Geschichten gehen. Das überlassen wir gerne etablierten Magazinen wie „Oldtimer-Markt“ und „Auto Bild Klassik“. Uns treibt etwas anderes: Was kann die Autobranche aus ihrer eigenen Geschichte für die Zukunft lernen? Wie muss sich das Auto neu erfinden, um auch künftig die Bedürfnisse der Menschen nach Mobilität und Individualität befriedigen zu können? Welche Erfahrungen aus den Anfangszeiten des Automobils noch heute nützlich sein können, schildern wir in der ersten Ausgabe der Verlegerbeilage „125 Jahre Automobil“. Als Bertha Benz mit dem Patent-Motorwagen ihres Gatten die legendäre erste „Fernfahrt“ von Mannheim nach Pforzheim unternahm, da hatte sie mit ähnlichen Widerständen und Problemen zu kämpfen wie heute die ersten Elektroautos: Es gab keine Infrastruktur, also keine Werkstätten oder Tankstellen. Benzin wurde nur in der Apotheke verkauft. Die aktuellen Benzinpreise erinnern ja wieder an diese Zeit.
Wer heute mit einem Elektroauto unterwegs ist, wünscht sich, an jeder Apotheke laden zu können, denn Ladestationen sind noch seltener. Auch die Meinung der breiten Öffentlichkeit und nicht zuletzt des Kaisers („Ich glaube an das Pferd!“) war anfangs eher skeptisch: Warum eine neue, anfällige und gefährliche Technologie, wenn es Pferde und Hafer doch an jeder Ecke gibt? Das Auto hat sich dennoch durchgesetzt. Nicht mit staatlicher Förderung und überflüssiger Reglementierung. Es überzeugte, auch dank Bertha Benz’ erfolgreicher Fernfahrt, durch Leistung.