Birmingham. Die britischen Edelmarken Jaguar und Land Rover stehen vor einem Dilemma. Sie könnten deutlich mehr SUVs und Limousinen verkaufen – je nach Baureihe zwischen 20 und 40 Prozent –, bekämen sie mehr Motoren. Doch da die Briten auf die Motorenlieferungen von Ford und Peugeot angewiesen sind, ist kurzfristig keine Besserung zu erwarten. Jetzt will sich Jaguar/Land Rover selbst aus der Misere befreien und in England ein eigenes Motorenwerk bauen. Dazu will das Unternehmen in den West-Midlands nahe Birmingham innerhalb von 18 Monaten eine eigene Motorenfertigung hochziehen, berichten englische Medien. Ein weiteres, kleineres Motorenwerk sei in Indien geplant.
Jaguar/Land Rover gehört zum indischen Tata-Konzern. Beide Werke zusammen sollen eine Kapazität von 500.000 Vierzylinder- Motoren pro Jahr haben. Das ist rund das Doppelte der gesamten Fahrzeugproduktion von Jaguar und Land Rover und zeigt, welche Wachstumsambitionen die Briten haben. 800 Millionen Pfund (900 Millionen Euro) will Tata in die beiden Werke investieren und allein in England 600 Arbeitsplätze schaffen. Gespräche mit der britischen Regierung über Investitionsbeihilfen und mit den Gewerkschaften über die Arbeitsbedingungen im neuen Werk laufen. BMW betreibt in Hams Hall in den West-Midlands ebenfalls ein Motorenwerk. Auch wenn Jaguar/Land Rover im vergangenen Geschäftsjahr (31. März) 1,1 Milliarden Pfund (1,25 Milliarden Euro) Gewinn beim Mutterkonzern abliefern konnte und den Absatz um 25 Prozent auf 244.000 Autos gesteigert hat, steckt das Unternehmen in der Klemme. Denn schon jetzt ist klar, dass bei Motoren weitere Engpässe drohen und das mögliche Wachstum behindern. „Vor allem der Sechszylinder-Diesel ist für uns ein echter Engpass“, hatte Carl- Peter Forster, Chef der Autosparte von Tata, bereits im März gesagt.
Der Motor wird im Jaguar XJ, XF sowie in den Land-Rover-Modellen Range Rover Sport und Discovery verbaut. Doch der Vierzylinder- Diesel, den es im Land Rover Freelander und im Jaguar XF gibt, wird ebenfalls knapp. Denn auch im Range Rover Evoque, der im September in den Handel kommt, wird das von Peugeot gelieferte 2,2-Liter-Aggregat eingebaut. Zwischen den Importgesellschaften in Europa und Übersee ist bereits ein Verteilungskampf um das kompakte Range-Rover-Modell entbrannt, das in Europa auf schnell wachsende Nachfrage nach Premium- SUVs trifft. In den vergangenen Monaten musste Jaguar im Werk Castle Bromwich mehrfach Schichten streichen und Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken, weil nicht genügend Motoren und andere Komponenten geliefert wurden und so die Produktion stockte. Damit soll es bald vorbei sein.