München. Was macht ein VW-Gasmotor aus dem Caddy, wenn er nicht auf öffentlichen Straßen unterwegs ist? Er erzeugt Strom in deutschen Kellerräumen und steht damit in direkter Konkurrenz zu Brennwertheizungen. Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, dass ein Auto ohne Räder irgendwann Ökostrom erzeugt. Denn die Pläne für die Herstellung von Blockheizkraftwerken – denn um nichts anderes handelt es sich – liegen schon seit 20 Jahren bei VW in der Schublade.
Doch in den 1980er-Jahren begann der Verfall der Energiepreise, und man verabschiedete sich von den Plänen, sich als Hersteller von alternativen Energien zu diversifizieren. Zumal es sich bei dem Blockheizkraftwerken um reine Stand-alone-Lösungen gehandelt hätte. Nun sind die Bedingungen für eine Diversifizierung jedoch günstig. Die Energiepreise steigen und die elektronische „Reihenschaltung“ Tausender Blockheizkraftwerke ist mittels Internet und Mobilfunk möglich. Mit Lichtblick war für die Wolfsburger ein innovativer Vertriebs- und Entwicklungspartner gefunden. Aber spannend wurde es erst mit der zunehmenden Flexibilität des Energienetzes durch den sogenannten Schwarmstrom.
Ähnlich den Bewegungen eines Fischschwarms wird die Energie dahin geleitet, wo sie gerade gebraucht wird. Um einen Effekt zu erzielen, braucht es allerdings ganz viele solcher „kleinen Fische“. Schwarmstrom war somit der Anlass für eine wirtschaftliche Fertigung in Großserie. Andere Anbieter von Blockheizkraftwerken sind beim Thema Schwarmstrom noch nicht so weit. Denn erst die zentrale Koppelung vieler Kraftwerke macht das Konzept zu einem „smart grid“ – einem intelligenten Stromnetz. 100.000 Blockheizkraftwerke wollen VW und Lichtblick hintereinanderschalten und so helfen, die Stromversorgung in Deutschland nach der Energiewende sicherzustellen. Und zwar auch dann, wenn die Sonne nicht scheint, wenn sich kein Lüftchen regt und die Windräder stillstehen.