Hamburg. Europas größter Autobauer Volkswagen konnte mit Rekorden im Rücken und neuen Bestmarken im Visier für gute Stimmung auf der Hauptversammlung sorgen. "Wir gehen davon aus, dass unser Konzern noch mehr Fahrzeuge verkaufen wird, noch mehr Umsatz erzielen wird und ein noch höheres operatives Ergebnis einfahren wird als im Rekordjahr 2010", sagte VW-Chef Martin Winterkorn am Dienstag in Hamburg. Die Aktionäre bedachten die vorgetragenen Erfolgsmeldungen aus dem vergangenen Jahr mit regelmäßigem Applaus. Auch für das angestrebte Ziel, bis 2018 zum weltweit führenden Autobauer aufzusteigen, erhielt das Management Rückendeckung der Anteilseigner.
Kritik machten Aktionäre an der Dividendenhöhe fest. Bei einem Ergebnis je Aktie von 15,23 Euro je Vorzugsaktie sei die vorgeschlagene Dividende von 2,26 Euro je Anteilsschein schlicht zu wenig, sagte Ulrich Hocker von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) unter Beifall. Auch andere Anteilseigner bezeichneten die Ausschüttungsquote von 15 Prozent als klar zu niedrig. Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch verteidigte die Dividendenhöhe mit Verweis auf das vergangene Jahr. Für das Krisenjahr 2009 wurden 1,66 Euro je Vorzugsaktie gezahlt. Dies entsprach den Angaben zufolge einer Ausschüttungsquote von 79 Prozent. "Dafür sind wir in erfolgreichen Jahren etwas vorsichtiger", sagte Pötsch. Im Interesse der Aktionäre setze man auf eine kontinuierliche Dividendenpolitik. "Eine konkrete Ausschüttungsquote haben wir nicht."
DSW-Vertreter Hocker bemängelte zudem Bremsklötze und Baustellen auf dem Zukunftspfad des Konzerns. Hierzu zählte er unter anderem Verzögerungen bei der Verschmelzung mit Porsche sowie der angestrebten engeren Zusammenarbeit der VW-Tochter Scania mit dem Münchner Dax-Konzern MAN, an dem VW knapp 30 Prozent hält.
VW-Chef Winterkorn hatte zuvor in seiner Rede bekräftigt, "der integrierte Konzern von Volkswagen und Porsche wird auf jeden Fall kommen." Er hatte aber eingeräumt, es bestünden nach wie vor steuerliche und juristische Hürden. Als solche zählte Finanzvorstand Pötsch die Schadensersatzklagen gegen Porsche im Zusammenhang mit der gescheiterten VW-Übernahme auf. Auch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Stuttgart seien noch nicht abgeschlossen. "Aufgrund der externen Faktoren kann es länger dauern, bis es zur Verschmelzung kommt." Die noch in der vergangenen Woche genannte Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent, dass die Fusion noch in diesem Jahr über die Bühne geht, wiederholte der Finanzvorstand nicht.