München. Leichtbau ist in der Automobilbranche ein alter Hut. Schon 1913 fertigte NSU den 8/24, dessen Karosserie komplett aus Aluminium bestand. Doch dann geriet der kostspielige und schwierig zu verarbeitende Werkstoff in den Hintergrund – lange Zeit war es einfacher, wachsende Fahrzeuggewichte mit immer mehr Motorleistung zu kompensieren. Dass dieser Weg spätestens mit der Elektrifizierung des Automobils in eine Sackgasse führt, hat die Industrie inzwischen erkannt – mit enormen Folgen für Materialforschung, -einsatz und -verarbeitung.
Die Autobranche ist inzwischen einer der größten Kunden für Hightech-Kunststoffe. Vor 30 Jahren lag deren Anteil im Auto noch bei sieben Prozent, heute sind es 20 – Tendenz steigend. Hightech-Kunststoffe können enorm viel: Sie sind bei gleicher Festigkeit um bis zu 20 Prozent leichter und kaum teurer als Alu. Zudem können sie kostengünstig viele Funktionen integrieren und korrodieren nicht, was den teuren Rostschutz erübrigt. Auch Aluminium-Pionier Audi hat längst erkannt, dass nur durch die Integration moderner Kunststoffe weitere Potenziale aus Alu und Stahl herausgekitzelt werden können.
Deutlich wird der Technologiewandel an den vielen Umbenennungen des einstigen Aluminium- Zentrums von Audi in Neckarsulm: 2003 wurde es in Aluminium- und Leichtbauzentrum (ALZ) umgetauft, 2009 in Leichtbauzentrum. Zuletzt kam dort 2010 ein gesondertes Technikum für faserverstärkte Kunststoffe (FVK) dazu. „Das richtige Material am richtigen Ort für die optimale Funktion“, lautet seither das Motto bei Audi. Das Ziel: eine intelligente Koexistenz aller verfügbaren Technologien.