München. Immer mehr herstellerunabhängige Finanzdienstleister umwerben den Autohandel. Neben Platzhirsch Santander agieren auf dem deutschen Markt schon jetzt über ein Dutzend etablierter Anbieter, darunter zum Beispiel FFS, die Finanztochter der Emil-Frey-Gruppe, die Branchenbank BDK, der Ableger der französischen Crédit Agricole- Gruppe, die CreditPlus-Bank und die Wuppertaler AKF-Bank. Gleichzeitig wird der Autohandel in jüngster Zeit verstärkt von neuen Wettbewerbern umworben, etwa von der 2011 gestarteten Bank 11 oder dem deutschen Ableger der österreichischen Autobank. Seit Jahresbeginn offeriert die Targobank – bis 2010 bekannt als Citibank – eine Online-Autofinanzierung. Im kommenden Jahr will das Unternehmen auch in die Händlerfinanzierung einsteigen.
Die Angebotsvielfalt bietet dem Handel die Möglichkeit, nicht nur mit einem Finanzdienstleister zusammenarbeiten – eine Chance, die viele bereits nutzen. Denn wer die Einkaufs- und Absatzfinanzierung für alle Fahrzeuge nur mit seiner Herstellerbank abwickelt, profitiert zwar von einfachen Prozessen, begibt sich aber in große Abhängigkeit. Während der Händlervertrag den Bankpartner für die Neuwagen gleich mitliefert, arbeiten viele Händler im Gebrauchtwagengeschäft auch mit anderen Banken zusammen, sodass sich die freien Anbieter vor allem hier etablieren konnten."Die Captives haben das Gebrauchtwagengeschäft vernachlässigt und den Non Captives Vorschub geleistet“, sagt Bernd Brauer, Bereichsleiter Caravan, Auto, Motorrad der Commerz Finanz GmbH. Der frühere Ford-Bank-Manager, der für den Kölner Hersteller die Flatrate in den Markt gebracht hat, will nun mit dazu beitragen, Commerz Finanz, ein Gemeinschaftsunternehmen der französischen Bank BNP Paribas und der Commerzbank, unter die Top drei der unabhängigen Autobanken zu bringen.Aktuell betreut das Münchner Bankhaus etwa 1800 Autohändler. Die Aktivitäten der unabhängigen Wettbewerber dürften auch den Herstellerbanken nicht entgangen sein. Gleichwohl sehen die Captives diese Entwicklung "noch nicht als Bedrohung“, sagt Klaus Strenge von zeb/rolfes. schierenbeck.associates, einer auf den Finanzsektor spezialisierten Managementberatung. Nach wie vor bestehe eine enge Bindung zum Vertragshandel. Zudem setzten die Herstellerbanken beispielsweise im Leasinggeschäft auf Full-Service-Verträge, "um das reine Kreditprodukt für den Kunden mit Zusatzleistungen aufzuwerten und im Wettbewerb weniger vergleichbar zu sein“, so Strenge.Doch schon jetzt ist die Aufteilung des Markts zwischen den Herstellerbanken und den unabhängigen Anbietern in der Praxis weniger trennscharf als vermutet. So übernimmt nicht selten bei Mehrmarkenhändlern die Herstellerbank der Hauptmarke auch Finanzierungsaufgaben für die anderen Fabrikate. Und umgekehrt sind vor allem bei kleineren Importeuren unabhängige Finanzdienstleister in der Rolle des Captive – zum Beispiel Dienstleister FFS bei Hyundai und Subaru oder Marktführer Santander bei Mazda, Kia und seit Kurzem bei Volvo.Autohändler heftig umworben
Immer mehr herstellerunabhängige Finanzdienstleister werben um Kundschaft aus dem Autohandel. Die Angebotsvielfalt bietet den Autohäusern die Möglichkeit, nicht nur mit einer Autobank zusammenarbeiten – eine Chance, die viele bereits nutzen.