"Tatsachen gibt es nicht, nur Interpretationen.“ (Friedrich Nietzsche) Die Debatte war überfällig. Nun hat sie Autohändler Burkhard Weller mit einem offenen Brief an Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center Automotive Research, ordentlich angeschoben. Weller bezichtigt Dudenhöffer, in seinen Rabattstudien die Unwahrheit zu verbreiten über das Incentive-Niveau in Deutschland im Allgemeinen und das des neuen VW Golf VII im Speziellen. Volkswagen schließt sich dieser Kritik "voll und ganz an". Dudenhöffer hatte in einer seiner jüngsten Studien behauptet, der neue Golf werde im Internet mit "bis zu 27,5 Prozent Rabatt“ angeboten.
Dass es solche Rabatte in Einzelfällen gab, und zwar für Fahranfänger, ist wohl unstrittig. Problematisch ist nur, dass in vielen Medien das "bis zu“ geflissentlich weggelassen wird. Damit entsteht bei den Kunden der Eindruck und die Erwartung, der nagelneue Golf werde bereits flächendeckend mit Riesen-Rabatt verschleudert. Dass dies Unsinn ist, weiß sicher auch Herr Dudenhöffer. Dass aber viele Medien – die Automobilwoche hat diesen Fehler auch schon gemacht – solche Differenzierungen gerne weglassen, nimmt der Auto-Professor billigend in Kauf. Sein PR-Talent in eigener Sache und in Sachen seines Instituts ist in der Branche zu Recht legendär. Und was ist nun die Wahrheit über das Rabattgebaren im Autohandel? Sicher ist, dass auch Dudenhöffer diese Wahrheit nicht kennt.
Ein "wissenschaftlich fundiertes, objektiv überprüfbares Incentive-Bild", das Dudenhöffer für sich in Anspruch nimmt, liefern seine Zahlen eben gerade nicht. Dazu müsste man die Listenpreise mit den Transaktionspreisen der verkauften Golf VII vergleichen. Die rückt der Hersteller aber nicht heraus. Dudenhöffer kennt nur die Lockvogelangebote von Autohäusern und Internetvermittlern wie MeinAuto.de oder Autohaus24. Letztere vermitteln aber nur ein Prozent der Neuwagen. 99 Prozent gehen am Internet vorbei. Mit welchen Preisnachlässen diese 99 Prozent verkauft werden, ist nicht bekannt. Dass es beim neuen Golf deutlich weniger sind als bei seinen direkten Wettbewerbern, können wir also nicht mit Sicherheit wissen. Vieles, so die günstige Restwertprognose des Golf VII, spricht aber dafür.