München. Auf den ersten Blick sehen die Zahlen gut aus. Knapp 4,1 Millionen Besitzumschreibungen zählte das Kraftfahrt-Bundesamt von Januar bis Ende Juli, ein Plus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Und auch im Vergleich mit den Neuzulassungen, die leicht unter Vorjahresniveau liegen, haben die Gebrauchten die Nase vorn. Doch bei den Preisen dreht sich die Stimmung, sie befinden sich auf Talfahrt – und das bereits den fünften Monat in Folge, wie eine Auswertung von Mobile.de zeigt. Beim zuletzt verzeichneten Höchststand im November wurden auf der Online-Plattform im Schnitt noch 500 Euro mehr für einen Gebrauchten erlöst. Und von den hohen Rabatten und taktischen Zulassungen der vergangenen Monate bei Neuwagen ist nichts Gutes für die weitere Preisentwicklung zu erwarten.
Vorsicht ist geboten
"Das Geschäft ist aufwendiger geworden. Die Margen stehen unter Druck“, sagt Stefan N. Quary, Sprecher der Geschäftsführung der Dürkop-Gruppe. Ein Grund dafür sei die negative Restwertentwicklung. "Man muss sehr vorsichtig sein, wenn man größere Pakete auf dem Markt kauft. Bis man im letzten Drittel des Verkaufs ist, kommen schon wieder billigere Autos auf den Markt“, warnt er. Die Situation entwickle sich derzeit zugunsten der Käufer, und das werde wohl auch noch für mindestens sechs Monate so weitergehen – schon allein deswegen, weil im September und Oktober Rückläuferpakete zu erwarten seien, die die Preise weiter unter Druck setzten.
Bei Dürkop kauft man deswegen inzwischen nicht mehr ganz so große Pakete an Gebrauchtwagen. Burkhard Weller berichtet ebenfalls vom Preisdruck der ersten Jahreshälfte. "Das liegt an der unglaublichen Tageszulassungsflut, vor der mittlerweile auch die Premiumhersteller nicht mehr zurückschrecken“, ist der Chef der Wellergruppe überzeugt. Sich gegen sinkende Preise zu stemmen sei kaum möglich. Letztlich bleibe einem nichts übrig, als mitzumachen.Auch bei den markenunabhängigen Gebrauchtwagenhändlern macht sich die Krise bemerkbar. "Der Handel ist nervös“, sagt Ansgar Klein vom Bundesverband freier Kfz-Händler (BVfK). "Das Jahr hat eigentlich schlecht begonnen, und dann gibt es immer wieder starke Schwankungen“, sagt er. Gerade die Krise in den südeuropäischen Ländern mache sich bemerkbar. Von dort komme ein verstärkter Zufluss von Gebrauchtwagen auf den deutschen Markt. "Das hat es so früher nicht gegeben. Deutschland war immer ein Lieferland. Wir haben immer in aller Herren Länder exportiert.“ Gerade Italien oder Spanien seien früher Abnehmer hochpreisiger Autos wie SUVs gewesen. Doch jetzt komme von dort Zufluss und drücke auf die Preise.
Auch Frank Brecht, Geschäftsführer der Hahn- Gruppe, spricht von einem Wegbrechen ausländischer Märkte. "Wir raten zurzeit, auf Sicht zu fahren und nicht zu viele Autos zu bevorraten“, sagt Klein. Man müsse mit weiter sinkenden Preisen rechnen. Denn auch die Nachfrage auf Käuferseite plätschere derzeit "so dahin“, erzählt er. "Da ist kein großer Zug drin.“ Zwar könne der freie Gebrauchtwagenhandel schnell reagieren und auch auf der Einkaufsseite von den fallenden Preisen profitieren. Dennoch sei die Lage "sensibel“. "Aber es ist noch Speck am Knochen“, zeigt sich Klein zuversichtlich.Doch sinkende Preise und wegbrechende Märkte im Ausland sind nicht die einzigen Entwicklungen, die den Gebrauchtwagenhandel belasten. Immer wieder hört man die Klage, dass es schwieriger werde, an gute Gebrauchte zu kommen, weil sich Privatleute inzwischen immer häufiger selbst um den Verkauf gefragter Autos kümmerten. Die Eintauschquote sei rückläufig – nicht signifikant, aber spürbar, sagt Quary. Die Kunden seien über Internetbörsen inzwischen so gut informiert, dass sie ein Gefühl dafür hätten, ob sich ein Auto gut vermarkten lasse. Das sei von Modell zu Modell unterschiedlich. Für Leasingrückläufer gelte das aber natürlich nicht. Auch Klein bestätigt, dass Privatpersonen gute Gebrauchte inzwischen gern selbst verkaufen. Aber das sei generell eher ein Problem für die Neuwagenhändler. "Der freie Händler geht bei einem guten Auto einfach stärker ran“, setzt er auf das Geschick seiner Verbandsmitglieder.Generell sei es immer ein Thema, wo man Autos herbekomme. B2B-Börsen seien da eine Möglichkeit. Aber insgesamt kauften die freien Händler hauptsächlich bei den Vertragshändlern – Autos mit hohen Laufleistungen beispielsweise. "Die Freien sind aus der Sicht des Vertragshandels die Müllsammler“, sagt Klein. "Aber auch damit kann man Geld verdienen.“ Der Skandal um Tachomanipulationen im vergangenen Jahr hat dem Vernehmen nach dagegen keine negativen Spuren hinterlassen. Der Markenhandel spüre beim Gebrauchtwagenabsatz eine steigende Tendenz, sagt Quary. Ob das damit zu tun habe, dass die Kunden zu ihnen mehr Vertrauen hätten, sei allerdings "Kaffeesatzleserei“. Doch auch Klein betont, seine Verbandsmitglieder würden keinen Vertrauensverlust bemerken. Die Kunden würden Manipulationen wohl eher "mit dem Milieu“ verbinden, und das sei nicht die Klientel des BVfK. Und schließlich gebe es ja auch noch die Tachogarantie des Verbands.