Mut wird selten belohnt in der Automobilindustrie. Pioniere, die sich zu weit vorwagen, zahlen dafür oft einen hohen Preis. Audi hat 1997 den Hybrid-Wagen Duo auf den Markt gebracht, der auf wenig Interesse stieß. Vier Jahre später war es mit dem Drei-Liter-A2 ähnlich. Der Markt wollte ihn nicht – noch nicht. Heute wäre Audi froh, das Auto noch zu haben. Der Drei-Liter-Lupo von VW kam ebenfalls zur falschen Zeit. Die GTI-Version verkaufte sich doppelt so oft. Mit dem Smart musste Mercedes Jahre der Verluste und des Spotts ertragen, bevor endlich Nachahmer kamen. Und die ersten Elektroautos, die derzeit im Markt sind? Sie stehen sich auf den Höfen der Händler die Reifen platt. Selbst alltagstaugliche Konzepte wie der Opel Ampera ziehen nicht. Zu früh zu sein ist oft grausamer als zu spät. Denn auf das Scheitern folgt die Gewissheit, recht gehabt zu haben.
Nun ist es der sportliche Premiumhersteller BMW, der sich sehr weit vorwagt und im nächsten Jahr mit dem i3 das erste Auto aus dem Project i auf den Markt bringt. Nach der IAA steht er dann für rund 40.000 Euro in den Schauräumen. Das wird der Moment der Wahrheit. Kleiner, aber teurer als ein konventionell angetriebener Dreier, muss das Auto mit seiner Technologie überzeugen: Mit Carbonkarosserie und Elektroantrieb soll das Megacity- Vehicle 30.000 Kunden im Jahr finden, um nicht zum finanziellen Desaster zu werden. Da werden beim BMW-Wettbewerber Audi Erinnerungen wach an den A2: Mit Alukarosserie, drei Liter Verbrauch oder neuem Benzin- Direkteinspritzer stand er im Handel neben dem größeren, aber nicht teureren A3. Bei Audi hat das nicht funktioniert. Die Kunden griffen zum konventionellen A3.
Und auch bei BMW scheint man sich seiner Sache nicht hundertprozentig sicher zu sein. Deshalb wurde für den ursprünglich als reines Elektroauto konzipierten i3 nachträglich das Konzept geändert: Nun tritt das Megacity-Vehicle auch mit kombiniertem Benzin- und Elektroantrieb an, also als Plug-in-Hybrid. Damit bleiben dem i3 die Unzulänglichkeiten eines reinen Elektroantriebs erspart. Es wird eine der spannendsten Fragen des nächsten Jahres, ob der Markt den Mut der Münchner belohnt. Finanziell wäre ein Scheitern zu verkraften. Aber das Image von BMW wäre sichtbar beschädigt.