Das Jahr fing sehr zäh an. Bis Mitte Mai war es recht ruhig im Gebrauchtwagen-Geschäft. Vor allen Dingen standen die Preise unter Druck. Im Juni und Juli hat es sich etwas entspannt. Die Preise waren wieder besser durchsetzbar und auch die Stückzahlen stiegen.
"Das A und O beim Gebrauchten ist das Schnelldrehen"
Ja, das liegt an der unglaublichen Tageszulassungsflut, vor der mittlerweile auch die Premiumhersteller nicht mehr zurückschrecken.
Gar nicht, wir machen mit, das ist die einzige Möglichkeit. Wir machen das Spiel mit, weil es der Hersteller vorgibt. Mittlerweile haben wir zumindest bei den Premiummarken einen höheren Dienstwagenabsatz als Neuwagenabsatz.
Ja, aktuell haben wir eine Relation von 2,13: Auf einen Neuwagen kommen bei uns 2,13 Gebrauchtfahrzeuge.
Ich glaube schon. Wenn die Nachfrage ein bisschen ins Stocken gerät, die Produktion aber auf gleicher Höhe weiterläuft, dann entsteht zwangsläufig Druck.
Der "richtige“ Gebrauchtwagen wird ja in Deutschland gar nicht mehr gehandelt, also Autos für 5000, 6000 oder 7000 Euro. Die gehen gar nicht über den Fachhandel. Das sind Autos, die wir schon aus Risikogründen nicht mehr verkaufen können, weil wir in Vorleistung stehen für alles und jedes – das sichert auch keine Garantie mehr ab. Denn im Zweifelsfall spricht uns jedes Gericht zu, dass wir als Fachhandel ja wissen müssten, dass das Getriebe nach 300.000 Kilometern undicht ist. Darum ist dieses Portfolio völlig weggefallen. Wir haben keine Barkunden mehr. Im Fachhandel fängt der Gebrauchte erst bei etwa 9000 Euro an. Das Preisniveau hat sich in den vergangenen zehn Jahren deutlich in Richtung Neuwagen verschoben. Da gibt es kaum noch einen Unterschied bei den Kunden.
Das stimmt, das mittlere Segment ist schwer zu bekommen. Im Großhandel oder als Flotte gibt es das gar nicht mehr, wir kaufen diese Autos bevorzugt von privat ein.
Wir haben nur noch zwei Einkaufsquellen: Erstens den Hersteller, von dem wir Jungwagen oder Dienstwagen beziehen oder auch Leasingausläufer von der Herstellerbank. Diese Fahrzeuge machen etwa zwei Drittel unserer Gebrauchten aus. Die zweite Quelle ist der Privatmarkt. Früher haben wir auch oft bei Großhändlern zugekauft oder bei Händlern, die Leasingfahrzeuge zurückgenommen haben. Das tun wir heute gar nicht mehr.
Dass man auch im Gebrauchtwagenhandel viel Geld verlieren kann. Die Idee war im Jahr 2000 entstanden, als wir alle befürchteten, dass das Internet uns das Geschäft komplett wegnehmen könnte. Heute ist das anders, weil jedes gescheite Autohaus auch ein Internet-Autohaus ist. Jeder hat seine Autos im Netz stehen, der Handel hat sich mittlerweile hier voll integriert. Deshalb brauchen wir diesen reinen Gebrauchtwagenhandel heute nicht mehr.
Schnelligkeit. Eine Anfrage muss innerhalb von einer Stunde abgearbeitet sein. Durch das Netz ist alles schneller geworden. Wenn der Kunde heute eine E-Mail schreibt, erwartet er innerhalb einer Stunde eine Rückmeldung. Denn der Kunde verschickt in der Regel mehrere Anfragen parallel – und wer zuerst antwortet, hat dann die besseren Karten.
Von den 900 Millionen kann man rund 150 für das Werkstatt- und Nebengeschäft abziehen. Von den restlichen 750 Millionen Euro entfielen etwa 380 Millionen auf das Gebrauchtwagengeschäft.
Der Bruttoertrag liegt zwischen vier und sieben Prozent – nicht zu verwechseln mit dem Gewinn, der bewegt sich auch bei uns auf dem Niveau des Branchendurchschnitts (Anm. d. Red: laut ZDK im Jahr 2011 rund zwei Prozent).
Die Aufbereitung haben wir mit externen Anbietern vor Ort in unseren Betrieben integriert. Einzige Ausnahme ist Leipzig. Dort werden die Fahrzeuge zur Aufbereitung abgeholt. Diese Dienstleister sind meist inhabergeführte Unternehmen, die auch sehr flexibel reagieren können.
Wir hatten immer gut 60 Tage. Mittlerweile haben wir die Standzeit auf einen Wert zwischen 48 und 55 Tagen gesenkt. 50 Tage – das ist auch das neue Maß der Dinge. Früher hieß es: Ab dem 100. Tag wird kein Geld mehr verdient. Heute ist das schon ab dem 90. Tag der Fall, das heißt, wir müssen die Autos schneller drehen. Das A und O beim Gebrauchten ist das Schnelldrehen. Auch da ist durch das Internet viel mehr Speed reingekommen. Wenn Autos drei Monate im Netz stehen, kennt sie jeder. Wer sich dann noch dafür interessiert, der weiß: Da kann ich den Preis drücken.
Ich glaube gar nicht, dass wir viel anders machen. Wir haben einen starken Fokus auf dem Gebrauchtwagengeschäft. Für jede Brand gibt es einen Gebrauchtwagenverantwortlichen und unsere gesamten Systeme sind darauf ausgerichtet.
Zum Beispiel ist unsere Standzeit, bis das Fahrzeug aufbereitet ist, extrem niedrig. Im Branchenschnitt dauert das zwischen zehn und fünfzehn Tagen. Unsere schlechteste Filiale braucht sieben Tage, unsere beste drei. Dadurch haben wir schon fünf Tage Vorsprung vor den anderen. Weitere Tage holen wir rein, indem wir die Verkäuferprovision an den Standzeiten orientieren. Wenn der alte Bestand wächst, geht die Provision runter. Wir machen klare Vorgaben: Fahrzeuge mit über 90 Tagen Standzeit dürfen nicht mehr als 18 Prozent des Bestands ausmachen. Natürlich gibt es auch immer Ausreißer wie den gelben Volvo mit grünen Sitzen. Der braucht eben seine 120 Tage, weil es für den bundesweit auch nur fünf Interessenten gibt.
Wir machen den Ankauf überwiegend mit einem Dekra-Gutachter, in einigen Filialen auch mit dem TÜV. Auf jeden Fall binden wir immer externe Dienstleister ein, weil die Akzeptanz beim Kunden dann größer ist, als wenn wir selbst das Fahrzeug begutachten.
Alle Autos haben eine Garantie, basta. Gerade bei einem großen Bestand muss man hier eine klare Aussage machen.
Etwa 60 Prozent der Fahrzeuge werden finanziert oder geleast.
Der Toyota Prius kommt jetzt ins Gebrauchtwagennetz. Die zwei bis drei Jahre alten Modelle sind erstens begehrt und zweitens sehr hochpreisig. Der Preisverfall ist da gering, weil es eine Spezies gibt, die ganz gezielt diese Gebrauchten sucht. Diese Kunden haben eben keine 25.000 oder 30.000 Euro für einen neuen Prius, geben aber immerhin 15.000 Euro für ihr Auto aus.
Solange es so wenige Fahrzeuge dieser Art gibt, wird das so bleiben. Es wird sich ändern, wenn weitere Fahrzeuge, auch anderer Marken, dazu kommen, also in etwa zwei bis drei Jahren wird das ein normales Spiel. (Foto: Wellergruppe)
Das Interview führte Bettina John.