München. Die Autokrise in Europa macht vielen Herstellern heftig zu schaffen. Egal ob Ford, Opel oder Peugeot, die schlechten Nachrichten überwiegen. Fabriken werden dicht gemacht, Sparprogramme aufgelegt und Jobs gekürzt, Lastwagenbauer denken über Kurzarbeit nach. Seit Monaten kennen die Automärkte in Europa vor allem eine Richtung - abwärts. Die drei deutschen Nobelmarken BMW, Audi und Daimler aber bekommen scheinbar nur Schrammen ab. Doch auf den zweiten Blick zeigt sich, dass auch in der Oberklasse der Lack matter wird.
Die Wachstumsstärke der drei Konzerne kommt vor allem aus dem Ausland. In den USA oder in China etwa läuft die Autokonjunktur noch, teils mit Steigerungsraten, die in Europa nicht mehr zu erreichen sind. «Allerdings ist auch für die großen Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien bis auf weiteres nicht mit den gewohnt hohen Wachstumsraten zu rechnen», schreibt BMW im Bericht zum dritten Quartal, den Konzernchef Norbert Reithofer am Dienstag vorlegte. In Europa sieht es auch für die erfolgsverwöhnten Münchner trister aus.Hier verkaufen die Münchner aber noch immer fast die Hälfte ihrer Autos. Zwischen Januar und September verzeichnete BMW in Europa aber nur noch ein Absatzplus von 0,8 Prozent. Bis auf weiteres werde die Staatsschuldenkrise in Europa erheblichen Einfluss auch auf die weltweite Konjunkturdynamik haben, erwartet BMW. Deswegen verkneift sich Finanzvorstand Friedrich Eichiner auch alle Vorhersagen für 2013. «Wir machen uns eher Gedanken, wie wir das vierte Quartal hinbekommen.» Das Ziel ist klar: 2012 soll ein Rekordjahr werden.In der Tat: Im Vergleich zu Opel oder Peugeot wirken die Probleme bei BMW wie Luxussorgen. Die Münchner haben ihre Hausaufgaben gemacht. Wie schnell es deutlich schlechter laufen kann, zeigen die Rivalen in Stuttgart. Daimler hat trotz guter Absatzzahlen derzeit wenig zu lachen - vor allem gemessen an den eigenen Zielen. Zwar legten die Schwaben beim Absatz zu, doch auf dem wichtigen Markt China verbuchte die Marke Mercedes-Benz im vergangenen Monat sogar ein Minus. Daimler fährt Audi und BMW inzwischen nicht nur im Reich der Mitte mit Abstand hinterher.Die Oberklasse reist entspannter durch die Krise
Werksschließungen, Sparprogramme, Jobabbau. Die Autokrise in Europa hat etliche Hersteller erwischt. Die Welt aber scheint zweigeteilt: Während Massenhersteller mit Einbrüchen kämpfen, bekommt die Oberklasse nur Kratzer ab. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit.
"Zu Premiumfahrzeugen passen keine hohen Rabatte"
Die Stuttgarter verdienen pro Auto deutlich weniger Geld. Die Kosten sind zu hoch. Ein milliardenschweres Sparprogramm soll es richten. Davon ist man bei BMW noch weit weg. Dennoch wolle man natürlich sparen, wenn es möglich ist, sagt Eichiner. Auch die Münchner verdienen mit ihren Autos inzwischen weniger. Der Blick in die Quartalsbilanz zeigt: Der operative Gewinn in der Autosparte sank im dritten Quartal um gut 9 Prozent auf 1,65 Milliarden Euro. Oder anders gesagt: BMW verkauft mehr Autos, bekommt aber weniger raus.
Das hat mehrere Ursachen: Neue Modelle kosten, nicht nur in der Entwicklung, auch bei der Produktionsumstellung. Dazu kommt Werbung - und Rabatte. «Das Umfeld, in dem wir agieren, wird immer rauer», sagt Reithofer. Das Wachstum gehe zurück. «Der Wettbewerb wird vor diesem Hintergrund noch intensiver.» Während bei den Massenherstellern nach Aussage von Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer eine Rabattschlacht tobt, halten sich die Nobelmarken nach eigener Aussage zurück. «Zu Premiumfahrzeugen passen keine hohen Rabatte», sagt Eichiner.Wie ungemütlich die Lage für BMW, Audi und auch Daimler noch werden kann, hängt vor allem von der Entwicklung der Weltwirtschaft ab. Einfacher wird es jedenfalls nicht. «Wir lassen uns davon nicht entmutigen», sagt Reithofer. Große Ziele haben alle drei: BMW will auch 2020 noch der führende Oberklassehersteller weltweit sein. Audi will die Münchner bis dahin überholt haben. Auch Daimler will bis dahin wieder vorne sein. (dpa/gem)