München. In dem Berliner Straßenbahndepot aus wilhelminischer Zeit stehen schon lange keine Züge mehr. Im Jahr 2003 wurde hier das erste „Meilenwerk“ eröffnet, eine Erlebniswelt für Oldtimerfahrer und Oldtimerfans zugleich. Händler, Werkstätten, Restauratoren, Zubehörlieferanten finden sich hier unter einem Dach, ebenso wie ein Restaurant und Einstellboxen für wertvolle klassische Fahrzeuge. Seither sind Meilenwerke in Düsseldorf (2006) und Stuttgart (2009) entstanden. Die Dienstleistungszentren für Oldtimer wurden zur Erfolgsgeschichte. Der Immobilienökonom Martin Halder (42), Gründer und Chef der Meilenwerk AG, legt nun nach.
Tempel einer Wachstumsbranche
Neue Meilenwerke im In- und Ausland entstehen: 2013 feiert das bislang größte Meilenwerk in Horgen am Zürichsee Premiere. „Und in London schauen wir uns gerade verschiedene Objekte an“, sagte Halder der Automobilwoche. In Hamburg ist ein neues Meilenwerk in einem alten Kraftwerk geplant. Wahrscheinlich werden Halder und sein Stuttgarter Partner Andreas Dünkel bald noch ein weiteres deutsches Meilenwerk- Projekt ankündigen. Der Erfolg der Meilenwerke zeigt: Die wirtschaftliche Bedeutung der Oldtimer-Szene wächst. Nach einer Studie des Oldtimer- Weltverbands FIVA werden in Europa mit historischen Fahrzeugen direkt und indirekt jährlich rund 16 Milliarden Euro umgesetzt, davon fast sechs Milliarden in Deutschland. Knapp zwei Millionen klassische Fahrzeuge rollen durch die EU. In Deutschland gab es nach Angaben des Kraftfahrt- Bundesamts im Meilenwerk- Gründungsjahr 2003 rund 119.000 über 30 Jahre alte Fahrzeuge mit H-Kennzeichen. Ende 2011 waren es bereits 259.000. Nicht zu vergessen die etwa fünf bis sechs Millionen Youngtimer, die ebenfalls eine ganze Szene begeistern. Die Industrie vom Hersteller bis zum Zulieferer tut vieles, um die Begeisterung für klassische Fahrzeuge zu befeuern. „Ein Meilenwerk ist kein Museum, sondern es lebt. Das ist ein Teil der Faszination“, sagt Halder. Zum Markenkern gehören auch die historischen Industriegebäude und der Gedanke des Unikats. „Deshalb wird jedes Meilenwerk von einem anderen Architekten gebaut.“
Seit den 90er-Jahren hat Halder sich mit der Frage befasst, welche Immobilien-Marktpotenziale es für klar definierte, neue Zielgruppen gibt. Die Besitzer und Freunde historischer Fahrzeuge sind eine solche, zudem noch kaufkräftige Zielgruppe, für die das Meilenwerk-Projekt konzipiert wurde. Offenbar mit Erfolg. Daran ändert auch eine Auseinandersetzung von Halder mit dem Betreiber der Meilenwerke in Berlin und Düsseldorf nichts, die heute Classic Remisen heißen und nicht mehr zum Meilenwerk- Verbund gehören. In Stuttgart wurden nach Angaben des Betreibers rund 500.000 Besucher pro Jahr gezählt, ähnlich viele sollen es in der Schweiz werden. Hier werden 28 Millionen Euro investiert. „Zwei Drittel der Fläche sind bereits fest vermietet.“ Das angeschlossene Hotel hat 105 Zimmer. Den Erfolg der Marke Meilenwerk will Halder nutzen. Er kündigt noch zwei neue Projekte an: eine hochwertige Modekollektion soll den Namen Meilenwerk ebenso tragen wie ein elegantes Fahrrad.