München. Techniker, IT-Spezialisten und Forschungs- und Entwicklungsingenieure haben hierzulande
quasi freie Auswahl. Weil Zulieferer und Hersteller in der Automobilbranche seit Jahren unter dem Fachkräftemangel leiden, können sich gut ausgebildete Absolventen ihren künftigen Arbeitgeber meist aussuchen. Was aber tun Unternehmen, um diesem Fachkräftemangel entgegenzuwirken? Suchen sie verstärkt im Ausland nach qualifizierten Mitarbeitern? Die Job-Krise in EU-Ländern wie Spanien oder Irland könnte ein Antrieb sein für Ingenieure aus diesen Ländern, um sich in Deutschland eine Stelle zusuchen. Von einer gezielten oder gar systematischen Anwerbung ausländischer Spitzenkräfte für den deutschen Arbeitsmarkt kann jedoch keine Rede sein. "Wir haben in der Vergangenheit versucht, in Spanien und Irland Mitarbeiter für unser Unternehmen zu gewinnen“, sagt ein Sprecher des Lippstädter Zulieferers Hella. "Doch es ist natürlich ein großer Schritt, sein Heimatland zu verlassen, um eine neue Stelle in Deutschland anzutreten. Insgesamt jedenfalls war die Akquise im Ausland für unsere Personalplanung bisher kein großer Stellhebel.“Generell, so hört man aus vielen Unternehmen, sei die Situation in Deutschland trotz des aktuellen Fachkräftemangels einzigartig. Die hier vorhandene Dichte an Hochschulen, Unternehmen und spezialisierten Clustern aus der Automobilbranche sei mit keinem anderen Land vergleichbar. Dass so verhalten im Ausland nach Arbeitskräften gesucht wird, habe weniger mit der fachlichen Qualifikation als vielmehr mit sprachlichen Kompetenzen zu tun. "Unsere Hauptsprache im Konzern ist Deutsch“, sagt zum Beispiel Martin Frick, Leiter Personalmarketing bei ZF. "Die Fachkräftesuche im Ausland betreiben wir daher eher verhalten. Denn für uns ist es wichtig, dass sich unsere qualitativ gut ausgebildeten Mitarbeiter rasch in Teams einfinden können – und dazu ist eine reibungslose Kommunikation die Grundvoraussetzung.“ Frick sagt aber auch, dass in Zukunft die Notwendigkeit steigen werde, im Ausland nach Fachkräften zu suchen – einfach weil das heimische Ingenieur-Reservoir immer kleiner werde. "Der Kampf um die Talente tobt“, erklärt Frick. Perspektivisch sei das Thema daher sehr wichtig für ZF. Einen Schritt weiter ist da die Münchner Elektroniksystem und Logistik-GmbH – besser bekannt unter ihrer Abkürzung ESG. Die Firma nimmt in jüngster Zeit vermehrt an speziellen Rekrutierungs-Veranstaltungen in Spanien teil und kooperiert intensiv mit privaten Personalvermittlern. Man müsse neue Möglichkeiten nutzen, der Wettbewerb um Spitzenkräfte werde härter, heißt es bei ESG.Den Fachkräftemangel spüren nicht nur die Zulieferer, sondern natürlich auch die Autohersteller. Dennoch ergaben zum Beispiel Nachfragen bei Volkswagen und Mercedes-Benz, dass beide Unternehmen nicht gezielt im Ausland nach Spezialisten für offene Stellen in Deutschland suchen. Nochkönne der Bedarf an Fachkräften aus dem hiesigen Arbeitsmarkt gedeckt werden, heißt es unisono. Zugleich betonen alle Personalabteilungen, dass für den Erfolg im Ausland in den dortigen Niederlassungen und Werken eine "gesunde Mischung“ aus deutschen und heimischen Fachkräften ideal sei. Üblich sei es, dass neue Standorte im Ausland zunächst von Mitarbeitern aus Deutschland zum Laufen gebracht werden, dann aber mehr und mehr Verantwortung auf lokales Führungspersonal übertragen wird.Möglicherweise wird die seit dem 1. August verfügbare "Blue Card“ das Thema Fachkräfte ausdem Ausland neu beleben. Die "Blue Card“ soll die Hürden für Zuwanderer aus Nicht-EU-Staaten senken. Sie ist vorgesehen für jene Ausländer, die einen Hochschulabschluss besitzen, ein Arbeitsverhältnis nachweisen können sowie ein Bruttojahresgehalt von mindestens 44.800 Euro.Talentsuche im Ausland immer wichtiger
Techniker, IT-Spezialisten und Forschungs- und Entwicklungsingenieure haben hierzulande
quasi freie Auswahl. Weil Zulieferer und Hersteller in der Automobilbranche seit Jahren unter dem Fachkräftemangel leiden, können sich gut ausgebildete Absolventen ihren künftigen Arbeitgeber meist aussuchen. Was aber tun Unternehmen, um diesem Fachkräftemangel entgegenzuwirken?