Stuttgart/Wolfsburg. Mit Rohstoffen handeln, Windenergie erzeugen, Immobilien kaufen – das hört sich nicht nach einem Autokonzern an. Doch bei der Porsche-Dachgesellschaft Porsche SE (PSE) könnte dies künftig Realität werden. Denn der nahende Verkauf der zweiten Hälfte des Porsche-Sportwagengeschäftes (Porsche AG) an VW wird bei der Dachgesellschaft letzte Schulden abtragen. Und dann? Dann könnte die Porsche SE völlig neue Wege gehen und eine andere Rolle auch im VW-Konzern spielen.
Die ersten Hinweise dafür finden sich in Tagesordnungspunkt sechs für die in der nächsten Woche (25.06.) anstehende Hauptversammlung. Darin sollen die Aktionäre den Paragrafen zwei in der Satzung der Holding ändern. Es geht um nichts Geringeres als den Geschäftszweck der PSE, die nach der komplizierten Übernahmeschlacht die Mehrheit der VW-Stammaktien hält. Die neuen Formulierungen erlauben es ihr etwa, groß ins Geschäft mit Rohstoffen für die Autoindustrie einzusteigen. Sie könnte auch im großen Stil Wind- oder Solarparks bauen lassen und mit Erneuerbaren Energie Handel treiben. Ebenfalls möglich wird das Erbringen von Mobilitätsdienstleistungen – etwa Carsharing.
Kurz: Die PSE könnte sich zu einem Investmentvehikel mausern, das für die strategischen Entscheidungen in der Autowelt von Morgen von Bedeutung wäre. Offiziell hängt die PSE das Thema Satzung etliche Stufen tiefer. "Es ist eine vorsorgliche Maßnahme", sagt ein Sprecher. Die Anpassungen eröffneten Möglichkeiten, aber keine Verpflichtungen. Doch die Frage, was aus der PSE wird, liegt auf der Hand. Schließlich entstand sie 2007, um das reine Sportwagengeschäft der Porsche AG vom "Beteiligungsmanagement" zu trennen – also dem Griff nach der Macht bei VW.
Das Ende ist bekannt. Die Offensive gegen Wolfsburg stockte auf den letzten Metern, und die PSE blieb trotz hauchdünner Mehrheit bei VW derart verschuldet zurück, dass VW zur letzten Hoffnung wurde. Die früheren Kontrahenten sind heute Partner und VW gab den Schwaben schon 2009 überlebensnotwendiges Geld mit der Übernahme von knapp 50 Prozent der Porsche AG. So schnell wie möglich soll nun auch die zweite Hälfte folgen, Insider gehen von diesem Sommer aus.