STUTTGART. Das Finale war nur noch Formsache. Auf der außerordentlichen Hauptversammlung am 4. Oktober 2007 blickten die Aktionäre ein letztes Mal auf den ungeliebten Doppelnamen über dem Vorstandspodium. Dann segneten sie ab, was faktisch schon vollzogen war: die Annullierung der Unternehmens-Ehe zwischen Daimler und Chrysler. Begonnen hatte die bis dahin weltgrößte Unternehmensfusion neun Jahre zuvor mit grenzenlosem Optimismus. Daimler-Benz- Vorstandschef Jürgen Schrempp bejubelte den Bund 1998 als eine „Hochzeit, die im Himmel geschlossen wurde“ und als „Zusammenschluss von Gleichstarken“. Schrempp und Chrysler-Chef Robert Eaton teilten sich die Führung. Die Verbindung trug auf Anhieb Früchte:Nach dem ersten gemeinsamen Jahr blieb unter dem Strich ein Gewinn mehr als fünf Milliarden Euro, zu dem Chrysler rund die Hälfte beisteuerte. Doch schon im Jahr 2000 folgte die Ernüchterung. Schrempp wurde alleiniger Konzernchef, Chrysler machte Milliardenverluste und die Fernbeziehung geriet in eine Schieflage. Die Abhilfe: eine Rosskur. Dieter Zetsche übernahm den Chefsessel in Auburn Hills, schloss binnen vier Jahren sechs Werke und strich 40.000 Jobs bei den Amerikanern.
Im Jahr 2005 kehrte sich das Verhältnis der Konzernpartner um: Der Verlustbringer Chrysler schien endlich auf einem profitablen Weg zu sein, dafür litt Mercedes unter Qualitätsproblemen und rutscht seinerseits in die roten Zahlen. Als auch noch Mitsubishi, der asiatische Pfeiler der „Welt AG“, in Not geriet, gab DaimlerChrysler seinen 37-prozentigen Anteil an den Japanern wieder auf. Die Turbulenzen in Europa und Fernost wehten Konzernchef Schrempp im Juli 2005 aus dem Amt. Seinem Nachfolger Zetsche blies 2006 der Wind aus Westen ins Gesicht – direkt von seiner früheren Wirkungsstätte: Chrysler geriet unter CEO Tom LaSorda erneut ins Trudeln, weil steigende Treibstoffpreise in den USA den Absatz der durstigen Sechs- und Achtzylinder-Modelle wie des bulligen 300C einbremsten. Außerdem wurde endgültig klar, dass die europäische Nobel- und die amerikanische Massenmarke nicht zueinanderpassten und auf Dauer auch technologisch zu wenig Kooperationsmöglichkeiten boten. Zetsche zog 2007 die Reißleine. Im April bestätigte er Verkaufsabsichten für Chrysler, im Sommer übernahm der US-Investor Cerberus 80,1 Prozent der Anteile und im April 2009 den Rest. Auf der Hauptversammlung im Oktober 2007 wurde der Konzern-Neustart als „Daimler AG“ besiegelt. Branchenanalysten schätzen, dass Daimler das Abenteuer rund 40 Milliarden Euro gekostet hat. Dass bei der Neubenennung der Name des eigentlichen Auto-Erfinders Carl Benz auf der Strecke blieb,war für die erleichterten Aktionäre da höchstens ein Schönheitsfehler.Fataler Irrtum im Himmel
Das Finale war nur noch Formsache. Auf der außerordentlichen Hauptversammlung am 4. Oktober 2007 blickten die Aktionäre ein letztes Mal auf den ungeliebten Doppelnamen über dem Vorstandspodium. Dann segneten sie ab, was faktisch schon vollzogen war: die Annullierung der Unternehmens-Ehe zwischen Daimler und Chrysler.