MÜNCHEN. In Indien sind die Dimensionen völlig anders, und für den größten Industriekonzern des Landes, Tata, gilt das ebenfalls. Der Umsatz der mehr als 100 Unternehmen der Gruppe betrug im abgelaufenen Jahr umgerechnet 65 Milliarden Euro. Tata beschäftigt in 80 Ländern weltweit insgesamt 425.000 Mitarbeiter, und das Portfolio der Firmen, die unter der Führerschaft von Familienoberhaupt Ratan Tata aktiv sind, reicht von Tee bis Stahl, von Arznei bis Mobilfunk, von Energie bis IT-Dienstleistung. Und natürlich baut Tata auch Autos.
Tata Motors ist heute das zweitgrößte Einzelunternehmen des Konzernimperiums mit einer Marktkapitalisierung von umgerechnet 8,4 Milliarden Euro an der Börse von Mumbai.In der mit mehr als 18 Millionen Einwohnern größten Stadt Indiens befindet sich auch der Hauptsitz von Tata. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1868, seit 1954 produziert Tata auch Autos – anfangs in einer 15 Jahre währenden Kooperation mit Mercedes-Benz. Heute ist Tata Motors, gemessen am Umsatz, Indiens größter Hersteller. Unter den Busherstellern belegt Tata weltweit Rang drei, unter den Produzenten mittlerer und schwerer Lkw Platz vier. Aus der Pkw-Sparte gibt es noch nicht ganz so beeindruckende Erfolge zu vermelden, doch in einer aktuellen Unter nehmenspräsentation wird angedeutet, dass Tata auch auf diesem Feld auf Expansion setzt. Vor zehn Jahren war Tata Motors in der Autowelt ein unbeschriebenes Blatt.Nur wenige Insider kannten die Marke oder ihre Produkte wie etwa das Modell Indica oder den Lkw Safari. Doch spätestens seit dem Frühjahr 2008 weiß die Autowelt, dass hier ein neuer Branchenriese entsteht.Damals übernahm Tata Motors die Marken Jaguar und Land Rover von der Ford Group zum Preis von 2,3 Milliarden Dollar. In der jüngsten Unternehmenspräsentation von Ende Dezember 2011 ist zu lesen, dass in den drei Produktlinien Jaguar, Land Rover und Range Rover in den kommenden fünf Jahren insgesamt 40 Neuheiten geplant sind. Das Tempo, das die Inder vorlegen, ist schier atemberaubend. Erhebliches Erstaunen löste auch das erste vollständig in Indien entwickelte Auto aus, der Tata Nano. Das als „billigstes Auto der Welt“ gehypte Modell kam im Jahr 2009 auf den Markt, für einen Preis von umgerechnet etwa 1700 Euro. Der Viersitzer sollte die Massen auf dem Subkontinent mobilisieren. Die Stückzahlerwartungen an das Auto waren riesig – und die Euphorie auch von deutschen Zulieferern wie Bosch, Continental, Mahle, ZF, Schaeffler oder Vibracoustic entsprechend groß. Doch nach einem gigantischen Kundeninteresse zum Marktstart – zeitweise wurden Kaufverträge für den Nano sogar verlost – sind die Absatzzahlen des indischen Kleinstwagens drastisch eingebrochen.Eine neue Werbekampagne und spezielle Aktivitäten der mehr als 600 indischen Tata-Händler sollen die Kunden im neuen Jahr wieder hinters Nano-Lenkrad locken. Trotz des flauen Absatzes des Nano scheint Tata Motors gut aufgestellt für die kommenden Jahre. Das ist vor allem auch ein Verdienst des deutschen Topmanagers Carl-Peter-Forster. Der ehemalige BMW-Vorstand, Opel-Chef und General Motors-Europa-Boss wechselte im Frühjahr 2010 an die Spitze von Tata Motors.Während seiner Amtszeit, die er aus persönlichen Gründen im vergangenen September beendete, verdreifachte er den Gewinn der Fahrzeugsparte von Tata. Forster war sogar als Nachfolger von Konzernchef Ratan Tata im Gespräch, der im Dezember dieses Jahres 75 Jahre alt wird und dann die Konzernführung abgeben möchte. Tata ist aber nicht nur ein sehr erfolgreicher, sondern auch ein überaus sozialer Konzern. Drei Prozent des Gewinns sämtlicher Firmen der Tata-Gruppe fließen in karitative Projekte – für das von vielen Problemen belastete Land Indien ein Segen.Ein Riese entdeckt die Autowelt
In Indien sind die Dimensionen völlig anders, und für den größten Industriekonzern des Landes, Tata, gilt das ebenfalls. Der Umsatz der mehr als 100 Unternehmen der Gruppe betrug im abgelaufenen Jahr umgerechnet 65 Milliarden Euro. Tata beschäftigt in 80 Ländern weltweit insgesamt 425.000 Mitarbeiter, und das Portfolio der Firmen, die unter der Führerschaft von Familienoberhaupt Ratan Tata aktiv sind, reicht von Tee bis Stahl, von Arznei bis Mobilfunk, von Energie bis IT-Dienstleistung. Und natürlich baut Tata auch Autos.